Donnerstag, 20. Juni 2013

Leben ohne Auto

Mein Mann und ich leben und weben seit jeher ohne Auto.
 
Wenn man das gewohnt ist und sich sein Leben entsprechend einrichten kann und will, ist das keine große Sache.
 

















kleinodia hat mir vor ein paar Wochen dazu ein paar Fragen gestellt, die ich wie folgt beantwortet habe:

Wie regelt ihr größere Transporte?
Neuwaren lassen wir immer anliefern. Ja, das kostet Aufpreis. Wenn wir mal etwas Größeres transportieren müssen, bitten wir Freunde, Nachbarn, Kollegen, ob sie uns mal helfen würden.

Wie sieht’s im Winter oder bei miesem Dauerregen aus?
Na ja, Winter ist genauso wie Sommer... klar ist das unangenehm, wenn man im Regen oder bei Schneematsch die Einkäufe zu Fuß heim schleppen muss, aber es hilft ja nix. Da muss man eben durch.

Wie läuft Urlaub ab?
In den Urlaub fahren wir mit Bus und Bahn. Auch das ist nicht immer ein Hochgenuss mit Gepäck und Verspätungen, aber machbar.
Was macht ihr, wenn ihr abends noch los wollt (Kino, Essengehen etc.)?
Abends weggehen und spät noch heimkommen: Entweder zu Fuß (früher sind wir regelmäßig eine gute Dreiviertelstunde aus der Lieblingsdisse heimgelatscht) oder mit dem Taxi. Selbst das ist im Vergleich zu einem eigenen Auto gar nicht so teuer.
(Allerdings macht sich hier natürlich deutlich bemerkbar, ob man in der Stadt oder auf dem Land wohnt!)

Habt ihr das Gefühl, dass der Alltag ohne Auto anstrengender oder zeitfressender ist?
Es gibt immer mal Momente, wo es toll wäre, ein Auto zuhaben. Spontan mal irgendwo ins Grüne fahren, nicht auf den Zug warten müssen, eben nicht zu Fuß gehen müssen, wenn es regnet, eine Wohnung nicht so suchen müssen, dass der ÖPNV gut erreichbar ist... aber so im Großen und Ganzen ist alles machbar.

Warum lebt ihr ohne Auto?
Weder ich noch mein Mann haben jemals den Führerschein gemacht, also sind wir die Organisation so gewohnt. Für die Umwelt ist es ganz ohne Frage gut, wenn nicht jeder sein eigenes Auto hat. Ich glaube auch, dass ich gar nicht gut Autofahren könnte... und außerdem ist es eine Geldfrage. Man spart ne Menge.
Außerdem haben wir sozusagen ganz von selbst ziemlich viel Bewegung.

Soweit also kleinodias Fragen.

Ich glaube, das A und O bei einem Leben ohne Auto ist die Wohnungs- und Berufswahl. Natürlich kann ich nie irgendwo hinziehen, wo es keinen Nahverkehr und keinen Supermarkt in der Nähe gibt. Das führt unter anderem natürlich dazu, dass die zahlreichen Autos meiner Mitmenschen ständig vor meiner Wohnung vorbeirollen... aber das lässt sich nicht vermeiden.
Beruflich geht natürlich so was wie Schicht- oder Bereitschaftsdienst für mich auch nicht. Ganz zu schweigen von Jobs, die man nur mit einem Auto erledigen kann.
Aber dafür spare ich Geld und Nerven. Spritpreise, Werkstattrechnungen, TÜV-Termine, Blechschäden, da hab ich nichts mit zu tun.

Für Leute mit Kindern und/oder Haustieren sieht das bestimmt alles wieder anders aus. Unsere alte, kranke Katze zum Tierarzt und zurück zu bringen war wirklich jedes einzelne Mal schrecklich... da wäre ich um ein Auto froh gewesen.

Seit ein paar Wochen fahre ich übrigens ab und zu mit dem Rad zur Arbeit. Meistens nur einen Weg (also hin oder zurück), weil das allein schon über 20 km sind, und ich sowieso eine Monatskarte für die Bahn habe.
Und nur bei Wetter, das mir zum Radfahren geeignet erscheint – das also weder zu nass, zu kalt, noch zu heiß ist.


















Da wollte ich lange nicht dran, weil sich dabei ein bisschen Stadtverkehr nicht ganz vermeiden lässt. Aber wenn man erstmal weiß, wo die Radwege sind, geht es eigentlich ganz gut.
Morgens vor der Arbeit ist das eine feine Sache zum Aufwachen. Frische Luft, wenig Verkehr, Natur angucken - herrlich.
Nachmittags ist es dann nicht mehr so schön ruhig, aber trotzdem hab ich den Eindruck, dass ich den Arbeitstag auf dem Fahrrad viel weiter hinter mir lasse als im Zug.
Und ich hab was für meine Gesundheit getan.

Kommentare:

  1. Also ich lebe mit 2 Kindern auch ohne Auto, wie du schreibst an manchen Stellen wünsche ich es mir aber es geht alles auch ohne Auto :)

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  2. Ich habe bis vor kurzem auch sehr gut ohne Auto gelebt. Geht alles. Vermisst hab ichs selten - eben wenn man mal was großes transportieren müsste oder es aus Eimern geschüttet hat. Ich bin eigentlich hauptsächlich mit dem Rad unterwegs gewesen, manchmal auch zu Fuß. Alles kein Ding, jedenfalls in einer Kleinstadt, wo man auf diese Weise wirklich jeden Winkel in max. 20 Minuten erreicht. ;)

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  3. Ich habe auch kein Auto und hatte nie einen Führerschein.

    Irgendwie bekommt man alles geregelt. Und wenn man Anschaffungskosten, Versicherung, Steuer und Sprit gegen eine Monatskarte Öffis rechnet, dann bleibt ganz schön viel übrig, um mal für Taxi und Transporter in die Tasche zu greifen.

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  4. Ha, ich falle aus der Reihe: ich habe einen Führerschein, doch kein Auto, kann mir aber eines leihen, wenn ich es wirklich benötige.

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  5. Hihi! Ich habe auch keinen Führerschein und kam bisher immer problemlos zurecht.

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    1. Das wundert mich jetzt mal gar nicht. :)

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  6. Ich dürfte zwar Auto fahren - kann es aber nicht mehr.
    Daher lebe ich theoretisch auch ohne. Mein Liebster hat allerdings eins, und das ist schon praktisch.

    Ich wollte aber eigentlich sagen, dass ich es cool finde, das ihr so vollkommen ohne auskommt! :)

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  7. Ich habe einen Führerschein und wir haben auch ein Auto. Aber das benutzt fast nur mein Freund, um damit zur Arbeit zu kommen und wenn wir zusammen den Wocheneinkauf machen.
    Wir leben auf dem Land, der Bus kommt 2x die Stunde, aber auch das klappt sehr gut, man plant halt ein wenig anders als wenn man alle 10min einen Anschluss hätte. Mit dem ÖV bin ich auch in einer halben Stunde in der Stadt und in Bern ist sowieso überall Halteverbot oder Parken ist sehr teuer. Da bin ich gar nicht traurig drum. Selbst wenn das Auto frei ist und vor der Tür steht nehm ich den Bus. Aber ich fahr auch nicht gerne Auto, setz mich viel lieber in den Zug und les ein bisschen.
    Es ist praktisch ein Auto zu haben und mein Freund würde ohne wohl auch nicht leben wollen (der hat aber auch eine miese Verbindung zu seinem Arbeitssplatz), ich alleine würde mir wohl keines holen (höchtest irgendwann mal einen kleinen Oldtimer zum liebhaben, aber nicht für den täglichen Bedarf).
    Das einzige wirkliche Problem ist abends. Der letzte Zug mit Anschluss auf den Bus fährt um 20.50 und Taxi fahren ist hier unbezahlbar. Da muss man dann immer auf Park&Ride Parkplätze zurückgreifen und einer hält sich an Cola. Leider sieht es meistens eher so aus, dass man zuhause bleibt und einen Film guckt. Aber das hat wirklich weniger was mit dem Auto als mit dem Landleben zu tun. In der Stadt würde ich wohl schneller sagen, lass nochmal kurz los, da könnte man dann eben auch gut laufen.

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  8. Ich habe einen Führerschein und hatte, als ich noch berufstätig war ein eigenes Auto. Inzwsichen bin ich "nur" noch mit den Kindern und dem Haushalt beschäftigt und wir haben mein Auto abgeschafft. Da mein Mann im 24-Stunden-Dienst arbeitet, ist das mit ein bißchen Organisation super. Hier im Ort bin ich mit Supermarkt, Apotheke, Arzt, Bäckern etc. gut versorgt und größere Einkäufe oder Arzttermine etc. plane ich halt an den Tagen, an denen ein Auto da ist. Klar denke ich ab und zu, jetzt würde ich gern meine Schwester besuchen fahren, was mit 2 Kindern ohne Auto zu umständlich ist, aber wir haben festgestellt, dass das zweite Auto viel zu teuer wäre und dafür gar nicht genug genutzt würde. Man muss sich halt anders organisieren. Allerdings könnte ich mir ein Leben ganz ohne Auto (in dem Modell wie wir es leben) nicht vorstellen.

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  9. Ich wäre gerne auch ohne Auto. Leider wohnen wir am A der Welt. Da fährt kein Bus oder dergleichen. Und mit Kindern hin und weg ist auch so eine Sache. Aber in den Ferien verzichte ich auf Auto fast zur Gänze und kaufe auch ganz viel beim nächsten Greißler ein (ca. 5 km per Rad)

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  10. Da das Auto meiner Mutter gerade den Geist aufgegeben hat (nach 17 Jahren akzeptabel ;)) merke ich doch immer, wie wir es uns damit einfach(er) machen. Okay, mein Vater ist im Außendienst tätig und braucht da logischerweise ein Auto, hat jetzt aber auch ein Firmenfahrzeug mit Privatnutzung (wie praktisch) und ist im Moment damit unter der Woche quasi nicht daheim.
    Zur Schule bin ich eh seit jeher mit dem Rad gefahren oder gelaufen, weil sie eben glücklicherweise nicht weit weg war.
    Ein kleiner Penny für das nötigste ist auch nicht weit, aber bei größeren Einkäufen sieht's dann schon anders aus. Nicht nur, weil es beschwerlich sein kann (in England habe ich mir einen dieser Einkaufstrolleys wie sie viele Omis haben zu Nutze gemacht, kann ich nur empfehlen, die gibt's sogar in Hübsch), sondern auch weil's da einfach nicht alles gibt. Die Katze muss auch gelegentlich zum Tierarzt, aber mein Vater sollte ja auch ab und zu mal daheim sein...
    Knackpunkt ist aber schätze ich das Getränke holen, ich weiß nicht, ob wir da mit Wasserkästen & Co. schon wieder eher eine Ausnahme sind (wieder: in UK hab ich mir Leitungswasser gefiltert), aber das ist ohne Auto finde ich schon beschwerlich bis unmöglich. Ich schätze wenn ich alleine wohnen würde und kein Auto hätte würde ich zwar auch eher Leitungswasser trinken, aber mir für den gelegentlichen Bierkasten etc. doch einen Fahrradanhänger oder Bollerwagen zulegen, sofern die "Quelle" in entsprechender Entfernung erreichbar ist.

    Ansonsten ist die Bus- und Bahnanbindung denke ich hier auch nicht so prickelnd oder zuverlässig, inbesondere wenn man mal jemanden besuchen will, bei dem sie noch schlechter ist, aber im großen und ganzen merke ich ja selbst: ich fahre sehr selten (selbst) Auto und auch dann meistens nur, weil es komfortabler ist und/oder ich nicht alleine unterwegs bin. Trotzdem finde ich es gut, dass man auch ohne auskommt, wenn man eben auf deine genannten Punkte achtet.

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    1. Ah, Getränke - die hab ich vergessen zu erwähnen. Bei uns gibt es Leitungswasser, Tee, Kaffee und Traubensaft aus dem Tetra-Pack. Den kann man schier endlos verdünnen, weil der so süß ist. Gut, Milch und gelegentliches Bier müssen wir halt auch schleppen, aber das geht.

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  11. Leben ohne Auto, das ist auch unser traum.
    In der letzten Stadt hatten wir keines, ging super, bin fast jeden tag mit dem rad in die Arbeit gefahren - jetzt geht es leider nicht ohne. Möchte das langsfristig aber schon wieder ändern.

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  12. Schön, wenn man ohne Auto auskommt :) Davon gibts sowieso zu viele ...

    Ich habe ein Auto, das ich nicht täglich benutze - ich greife oft auf ÖPNV zurück (ich _habe_ es eigentlich nur deshalb, weil bei manchen Strecken der ÖPNV einfach besch*** ist). Nur, wenn ich bei meinen Eltern bin, fährt abends oder sonntags oft gar kein Bus, und wenn ich dann Freunde besuchen will, die 20 km entfernt wohnen, wäre das ohne Auto unmöglich (klar, man kann das auch mit dem Rad fahren, aber nachts 20 km, ggf. im Regen, auf einer Straße ohne Seitenstreifen oder Fahrradweg ... würde ich eher ungern, zumal so eine Strecke ja auch nicht in 15 Minuten gefahren ist).
    Und Larp ist auch so ein Hobby, das ohne Auto extrem umständlich ist. Nicht umsonst fährt kaum jemand mit der Bahn zum Con (meist Anfänger, die noch kaum Ausrüstung haben). Wobei man sich dafür ja auch eins leihen kann (aber bei 5-Tägern ist es auch nicht so toll, ein Auto für 5 Tage zu leihen, das man an 2 Tagen für eine oder zwei Stunden braucht ...).

    Aber um meinen Führerschein bin ich schon sehr froh.

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  13. Wir haben zwar ein Auto, aber ich fahre nur sehr selten damit. Mir ist das Autofahren ehrlich gesagt zu anstrengend und zu gefährlich. Bis ich es aus der Garage geholt und die Kinder darin angeschnallt habe, bin ich doch längst zur Bushaltestelle gelaufen. Okay, wir sind hier in Berlin verwöhnt, denn die meisten Busse kommen mindestens alle 10 Minuten und man muss selten länger als 10 Minuten zur nächsten Haltestelle laufen. Das Netz ist wirklich dicht.

    Ich finde es viel besser mit meinen Kindern zu Fuß zu gehen, weil wir uns dabei unterhalten können. Wir bleiben stehen, wenn wir in einem Vorgarten lustige Gartenzwerge oder eine schöne Windmühle oder eine coole Modelleisenbahn entdecken. Außerdem lernen sie so viel besser, wie man sich als Fußgänger im Straßenverkehr verhält. Ich habe jedenfalls nicht vor, meine Kinder bis zum eigenen Führerschein überall hin zu kutschieren.

    Für Haustierbesitzer habe ich noch einen Tipp: Viele Tierärzte machen auch Hausbesuche. Ja, das kostet mehr Geld, aber das war es mir wert, als wir noch Katzen hatten.

    Unsere Lebensmittel lassen wir seit ein paar Monaten größtenteils auch liefern, es gibt hier einen Bio-Lieferdienst, der insgesamt nicht teurer ist, als wenn ich Bio-Sachen im Supermarkt kaufe. Und das Angebot an regionalen und saisonalen Produkten ist viel größer.

    Liebe Grüße,
    Henriette

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  14. Hey,

    super Post, finde ich auch! Wir kommen auch ganz gut ohne Auto aus (hatte ich ja auch neulich schon drüber geschrieben) & klar, Lage, Lage, Lage ist alles. Aber ich hab absolut nix dagegen "Urban" zu leben ; ) Und klar könnte man denken, dass liefern lassen oder Taxi fahren teuer sei - aber gegen die realen Kosten für ein Auto ist das wirklich ein Witz, weißte ja selbst.
    Grüße
    Nike
    (Eine ganze Zeit lang hab ich übrigens Früh- bzw Spätschichten gearbeitet... in Hamburg haut auch das hin!)

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Ich freue mich immer über nette und konstruktive Kommentare! Vielen Dank dafür!