Samstag, 17. Oktober 2026

Säbelrasseln

Meine Schwestern und ich sind jetzt stolze Eigentümerinnen einer ganzen Menge Waffen. Ich hoffe, wir haben schon alle gefunden... Für Schusswaffen habe ich keinerlei Sympathie, aber ein alter Säbel besitzt durchaus eine nicht zu leugnende Coolness.


Mein Vater hat das gute Stück vor ungefähr 70 Jahren als Schuljunge gefunden, als er mit einem Klassenkameraden dessen Dachboden durchstöbert hat. Der Kamerad wohnte auf einem großen Gutshof, muss man dazu sagen. Jedenfalls haben die beiden ein paar sehr alte, sehr verrostete Säbel gefunden und mein Vater durfte den am wenigsten Spektakulären behalten. 

Natürlich hat er ihn liebevoll vom Rost befreit und konserviert. 

 

Wenn man wie ich nicht den Hauch einer Ahnung hat, tut man sich schwer, im Internet etwas Belastbares über alte Säbel zu finden. Zudem waren die Dinger auch nicht unbedingt genormt - beliebte Formen tauchten es immer wieder in den verschiedensten Armeen auf.

Ich lehne mich also mal ganz weit aus dem Fenster und sage: Der könnte gut aus den napoleonischen Kriegen stammen, also rund 200 Jahre alt sein.

 

Was gut dazu passen würde und den Säbel echt interessant macht, sind die Gravuren, sie leider durch den Rost stark beschädigt wurden. Auf einer Seite ist der Gekreuzigte, auf der anderen Seite die Mutter Gottes zu sehen und daneben eine ganze Menge Text:

 

 

Auf dieser Seite konnte ich noch entziffern: 

Im anfang war (...) alle ding Seind (...) gemacht (...)

 

und auf der anderen:

(...) es war in und die welt (...) er kam (...) eigen (...) und (...) viel in aber auf namen denen (...) denen die an sein namen g (...) sondern aus got geboren (...) 

Das sieht erstmal ein bisschen kryptisch aus, aber wer schon mal den Anfang des Johannesevangeliums gelesen hat, erkennt einige Verse wieder, wenn auch mit ein paar Kürzungen und in altertümlicher Rechtschreibung:

Im anfang war das Wort und das war bei Gott. Dasselbe war bei Gott. alle ding Seind durch dasselbe gemacht. und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen. 

Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. es war in (der Welt,) und die welt ist durch dasselbe gemacht; und die Welt erkannte es nicht. er kam in sein eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. wie viel in aber auf namen denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden: denen die an sein Namen glauben, die nicht aus menschlichem Geblüt (noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes), sondern aus got geboren sind.

(Ich habe die aktuelle Lutherübersetzung Stand 2017 genommen, 1813 lautet das sicherlich noch ein bisschen anders.)

Meiner Meinung nach übrigens ein sehr schöner Text.

Jedenfalls: Die bildlichen Darstellungen sind eindeutig in katholischer Tradition, und da der Hof mit den Säbeln sich in Lüneburger Heide befand, also einer erzprotestantischen Gegend, ist anzunehmen, dass der Säbel ursprünglich aus anderen Gefilden stammte. Und das spricht wieder sehr für Napoleon, der hat ja Truppen aus halb Europa gegen die andere Hälfte kämpfen lassen.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und was mache ich mit diesem historischen Stück? Ich hänge ihn übers Gästeklo.

Ein bisschen gemein, aber da passt er einfach so schön hin.  

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