Als ich gestern Abend mit Chispa spazierengegangen bin, hat sie mitten in der Stadt an der Hauptstraße einen jungen Vogel auf dem Gehweg gefunden. Ich hatte das dunkelgraue Federknäuel völlig übersehen. Normalerweise soll man sogenannte Ästlinge, also die fast flüggen Küken, die das Nest schon verlassen haben und noch ein paar Tage von den Eltern versorgt werden, ja nur vorsichtig ins sichere Grünzeug zur Seite setzen - aber sowas war dort nicht vorhanden, und wir hatten gut über 30°C. Außerdem habe ich den Vogel erst für eine Schwalbe gehalten (Asche auf mein Haupt), und irgendwas sagte mir, dass die bestimmt im Nest bleiben, bis sie richtig fliegen können. Schwalben sieht man ja nur ganz selten zu Fuß...
Also hab ich den Vogel in die eine Hand genommen (er war ganz ruhig und zutraulich), die Leine in die andere und bin schnurstracks heimgegangen (auch Chispa war sehr brav).
Erstmal habe ich ihn in ein improvisiertes Nest auf den Balkon gesetzt, in der Hoffnung, dass er vielleicht doch schon fliegen kann und in der Stadt nur nicht starten konnte.
Dem war nicht so.
Nebenbei hab ich das Internet gebeutelt und sehr schnell rausbekommen, dass das natürlich keine Schwalbe, sondern ein Mauersegler ist. Und, dass man Mauersegler, die auf dem Boden sitzen, immer mitnehmen und sichern soll, weil sie das im Normalfall einfach nicht tun. Dann packe man sie in einen Karton oder eine Plastikbox (natürlich mit Belüftung), aber auf keinen Fall in einen Käfig (da können die sich die Federn abbrechen), und bringe sie zu einem Experten. Denn Mauersegler sind sehr speziell und brauchen eine Pflege, die meine Fähigkeiten übersteigt. Amsel, Spatz oder Meise kriegt man vielleicht auch selber gefüttert, aber Mauersegler eher nicht.
Eine Mauerseglerauffangstation in der relativen Nähe habe ich auch ausfindig gemacht. Da wir kein Auto haben, habe ich erst erfolglos die Nachbarn abgeklappert und dann schließlich meinen Lieblingskollegen gebeten, mich auf halber Strecke am Bahnhof einzusammeln, um den kleinen Gast dort hin zu bringen. Das war auch für ihn eine ordentliche Strecke, um sie mal so spontan abends zurückzulegen, aber der Vogel ist jetzt in besten Händen.
Die Mauerseglerexpertin war richtig nett und hat sich bei uns noch bedankt, weil wir uns so viel Mühe gemacht haben. Sogar zwei Fläschchen Bio-Schwarzkümmelöl haben wir als Dankeschön bekommen - und dabei hat sie ja jetzt die Arbeit mit dem Vogel!
Ich hoffe, er kommt durch und kann demnächst so fröhlich herumsausen wie seine Kollegen.


Das scheint bei Mauerseglern öfter einmal zu passieren. Ich habe gerade erst kürzlich etwas darüber gelesen. Schön, dass du dich um ihn gekümmert hast 👍.
AntwortenLöschenHerzliche Grüße - Elke
Ach wie lieb von dir, dass du den kleinen Mauersegler geholfen hast !
AntwortenLöschenDafür hast du meinen größten Respekt !
Bei uns düsen ca 10 Mauersegler ums Haus und das schon seit vielen Jahren, immer ein tolles Schauspiel.Biher ist noch nichts passiert, gottseidank.
♥lichst Jutta