Endlich! Nach tagelanger Hitze und Trockenheit hatte es geregnet. Hans-Ursel machte sich auf die Suche nach saftigen Pflanzenresten und genoss das feuchte, kühle Wetter. Da konnte man als Schnecke doch mal wieder richtig durchatmen. Nach einer ausgiebigen Mahlzeit in der Hecke kam Hans-Ursel auf den Gedanken, noch eine Runde über die schöne, hindernisfreie Teerfläche zu kriechen. Auch die war angenehm nass und mit leckeren Algen bewachsen.
Aber plötzlich wurde es dunkel. Hans-Ursel wurde von oben eingequetscht. Ein lautes Krachen und die Gewissheit, dass etwas Schreckliches geschehen war...
Vor ein paar Tagen habe ich eine verletzte
Bänderschnecke gefunden. Ein großes Stück ihres Häuschens lag lose neben ihr. Bei uns führt der Fußweg zum Bahnhof an der
Friedhofshecke entlang, und wenn es dunkel und nass ist, kommt es da
immer wieder zu Unfällen. Der Weg ist sozusagen mit Leichen gepflastert...
Als Schneckenfan weiß ich, dass Schnecken ihr Gehäuse reparieren können. Ein kleineres Loch können sie problemlos draußen alleine wieder verheilen lassen, aber bei einen richtig massiven Schaden überleben sie selten. Es sei denn, sie bekommen menschliche Hilfe.
Hans-Ursel (Schnecken sind Zwitter) hat es bös erwischt. Aber er/sie ist munter, kriecht herum und verliert vor allem keine dunkle Flüssigkeit. Damit hat Hans-Ursel gute Überlebenschancen.
Eine halbe Stunde später hat sich die Verletzung bereits glattgzogen. Die seltsame weiße Falte, die sich an der Bruchkante gebildet hatte, ist verschwunden. Trotzdem ist Hans-Ursel jetzt allen Umwelteinflüssen und Gefahren hilflos ausgeliefert. Sein Haus ist sein einziger Schutz.
Er muss also eine Weile bei mir bleiben. Zum Glück braucht man nicht viel, um eine Schnecke zu retten.
Wohnung und Nahrung:
- ein Plastikbehälter, z.B. von Obst. Der Boden muss wasserdicht sein, in die Wände sollte man zur besseren Belüftung ein paar kleine Löcher bohren.
- Den Boden mit zwei oder drei Lagen Küchenpapier auslegen und mit Wasser befeuchten. Gras, Erde oder Moos nützen der Schnecke jetzt nichts und sind sogar kontraproduktiv, weil Schmutz und Bakterien auf dem ungeschützen Weichkörper (dem weichen Teil der Schnecke) anhaften können.
- als Deckel ist ein Stück Fliegengitter perfekt. Ich befestige das einfach mit einem Gummiband, man kann aber auch Klettband nehmen. Wichtig: der Deckel muss luftdurchlässig sein, sonst erstickt die Schnecke!
- Ein paar Blätter als Versteck zum Drunterkriechen.
- Als Futter ein bisschen Gurke, Salatblätter, ein paar Haferflocken (pro Schnecke reicht eine Haferflocke täglich. Zu viel davon vertragen sie nicht). Das muss nicht jeden Tag frisch, Schnecken mögen welke Sachen lieber. Nur Vergammeln oder Schimmeln sollte natürlich nichts.
- Zum Gehäuseaufbau braucht die Schnekce Kalk. Dazu saubere Einerschalen möglichst fein mörsern. Man kann auch fertiges Eierschalenpulver für junge Hunde kaufen.
- Oft wird auch eine zusätzliche Wasserquelle empfohlen, also eine kleine, sehr flache Schale. Keine von meinen Schneckenpatientinnen hat sich je dafür interessiert, deswegen lasse ich die jetzt weg.
- Haltet den Behälter immer feucht (nicht nass). Das geht am besten mit einer Wassersprühflasche für Zimmerpflanzen. Aber besprüht die Schnecke bitte nicht direkt mit Wasser.
Medizinische Versorgung:
- Sobald sie in ihrem Behälter sitzt, lasst ihr die Schnecke bitte in Ruhe. Wenn ihr sauber machen wollt, setzt sie ganz behutsam weg, vieleicht mit dem teil, auf dem sie sitzt, oder lasst sie selber wegkriechen.
- Je seltener die Schnecke angefasst wird, desto besser!
- Versucht grundsätzlich nicht, das Häuschen zu reparieren, indem ihr es irgendwie klebt. Auch abgefallene Gehäuseteile sind nutzlos. Ganz selten kommt es vor, dass ein Loch wirklich verschlossen werden muss, aber in mindestens 9 von 10 Fällen schadet man der Schnecke nur.
- Nicht nervös werden, wenn die Schnecke tage- und nächte lang am Behälterdeckel hängt oder unter einem Blatt sitzt und sich nicht rührt. Die Gehäusereparatur ist anstrengend, und auch, dass eine Schnecke lange nichts frisst, ist normal.
- Sollte eure Schnecke sterben, merkt ihr das daran, dass sie anfängt, sehr unangenehm zu stinken. Meistens sterben Schneckenpatienten nicht wegen Pflegefehlern, sondern weil die Verletzung zu schwer war. Also macht euch keine Vorwürfe. Ihr habt getan, was ihr konntet!
Rat und Hilfe
- findet ihr hier: Schneckenforum - Gehäuseschäden
Wie es mit Hans-Ursel weiterging, und wie und wann ihr eine Schnecke wieder auswildern könnt, erfahrt ihr im zweiten Teil.




Respekt! Du bist wirklich eine wahre Schneckenfreundin.
AntwortenLöschenHerzliche Grüße - Elke