Samstag, 12. November 2016
Wechselhaft bis boshaft
Gestern hab ich eine Stippvisite in der Ferienwohnung gemacht. Erst fuhr ich im Zug eine Stunde durch melancholischen Nieselregen. Kaum war das Ufer des Schluchsees erreicht, klarte es auf, die Sonne glitzerte auf dem Wasser, es war herrlich!
Bis zur Endstation.
Passgenau und in Sekundenschnelle nach dem Aussteigen Wolken, Wind und Schnee. Fast ein kleiner Schneesturm. Da werden ein paar Minuten, die man auf den Bus warten muss, sehr lang.
Der anschließende Fußmarsch mit Gepäck und Regenschirm war auch eher anspruchsvoll.
(Gut, ich gebe zu: Irgendwie war es auch schön und sah toll aus...)
Und kaum hatte ich mich und meine Taschen abgeschüttelt und alles in die Wohnung gebracht:
Sonne.
Haha, sehr witzig.
Auf dem Rückweg (praktisch ohne Gepäck) zeigte sich der Himmel dann nicht nur deutlich kooperativer, sondern auch ziemlich farbenfroh.
Freitag, 11. November 2016
So long
Gestern ist ein kleiner alter Mann gestorben, der für mich einer von den ganz Großen war.
Leonard Cohen, der kanadische Sänger und Dichter.
Ich hätte den Nobelpreis ihm gegeben.
Donnerstag, 10. November 2016
„Wir waren doch so jung“ von Jennifer Riemek und Michael Kuhn
Vielen Dank an den Ammianus-Verlag für das kostenlose Rezensionsexemplar via
Zum ersten Mal hab ich meine Buchbesprechung ein bisschen vor mir hergeschoben. Keine Faulheit, ausnahmsweise. Ich brauchte ein paar Tage, "um Abstand zu gewinnen", wie es immer so schön heißt.
Die Geschichte beginnt 1933 in Aachen. Die Hauptperson ist Jakob, ein jüdischer Jugendlicher. Er erlebt, was viele erleiden mussten: Wenn ihn jetzt seine Mitschüler hänseln oder quälen, schauen die Lehrer weg. Seine ehemaligen Freunde wenden sich von ihm ab. Später muss er die Schule verlassen. Nach den Novemberprogromen 1938 wird Jakobs Vater in ein KZ gebracht. Er kehrt als gebrochener Mann zurück. Als Jakobs Eltern ihre Existenzgrundlage aufgeben und auswandern wollen, ist das kaum noch möglich. Der Krieg beginnt, die deutschen Behörden wollen das Kapital der jüdischen Bevölkerung im Land behalten, und die Nachbarstaaten wollen keine Flüchtlinge aufnehmen. Jakob gelingt trotzdem mit seiner Freundin Annie die Flucht nach Belgien. Aber auch dort sind sie nicht sicher. Als deutscher Staatsbürger wird Jakob zunächst interniert. Er kann zwar wieder fliehen, aber er kommt zu spät zurück. Denn als die Deutschen Belgien besetzen, werden Annie und ihre Eltern nach Auschwitz deportiert.
Jakob und Annie sind fiktive Figuren, aber was sie erlebt haben, war die bittere Realität von vielen anderen. Im ausführlichen Anhang werden die Stationen der Erzählung durch Berichte, Fotos und Dokumente belegt.
Mir war früher nie so wirklich klar, warum nicht viel mehr Juden rechtzeitig aus Deutschland geflohen sind. Dieses Buch macht das sehr deutlich. Erstens, weil sie sich natürlich und zu Recht als deutsche Staatsbürger fühlten. Jakobs Vater hatte als Soldat im Ersten Weltkrieg eine Auszeichnung erhalten. Dass die Nazis sich lange halten würden, konnten die meisten einfach nicht glauben. Zweitens, weil eine Flucht oft gleichbedeutend mit einem wirtschaftlichen Totalschaden war. Wer gibt schon gerne nicht nur seine Heimat, sondern auch seinen Arbeits- oder Ausbildungsplatz, sein Haus und sein gesamtes Vermögen auf? Und drittens, weil die Flucht in den meisten Fällen nur illegal und unter großer Gefahr möglich war.
Als den Menschen die eigentlich ja unvorstellbare Wirklichkeit der Massenvernichtungslager zu Bewusstsein kam, war es zu spät.
Das ist natürlich nur ein Aspekt von vielen.
Wie es für ganz normale Leute war, plötzlich als Menschen zweiter Klasse zu gelten, verfolgt zu werden und alles zu verlieren, wird sehr anschaulich und lebendig an der Geschichte zweier Jugendlicher erzählt. Die Dokumente im Anhang machen noch deutlich, dass nichts an den geschilderten Vorkommnissen frei erfunden ist. Alles, was Jakob und Annie erleben, haben Hundert und Tausende in Wirklichkeit auch durchgemacht.
Das Buch wendet sich gerade an junge Leute, die nicht mehr die Chance haben, mit Zeitzeugen zu sprechen. Ich finde, dass auch Leute in meinem Alter gut daran tun, es zu lesen. Wer aus der Generation unserer Großeltern hat denn jemals ernsthaft mit uns darüber gesprochen, was den Juden damals angetan wurde?
Zum ersten Mal hab ich meine Buchbesprechung ein bisschen vor mir hergeschoben. Keine Faulheit, ausnahmsweise. Ich brauchte ein paar Tage, "um Abstand zu gewinnen", wie es immer so schön heißt.
Die Geschichte beginnt 1933 in Aachen. Die Hauptperson ist Jakob, ein jüdischer Jugendlicher. Er erlebt, was viele erleiden mussten: Wenn ihn jetzt seine Mitschüler hänseln oder quälen, schauen die Lehrer weg. Seine ehemaligen Freunde wenden sich von ihm ab. Später muss er die Schule verlassen. Nach den Novemberprogromen 1938 wird Jakobs Vater in ein KZ gebracht. Er kehrt als gebrochener Mann zurück. Als Jakobs Eltern ihre Existenzgrundlage aufgeben und auswandern wollen, ist das kaum noch möglich. Der Krieg beginnt, die deutschen Behörden wollen das Kapital der jüdischen Bevölkerung im Land behalten, und die Nachbarstaaten wollen keine Flüchtlinge aufnehmen. Jakob gelingt trotzdem mit seiner Freundin Annie die Flucht nach Belgien. Aber auch dort sind sie nicht sicher. Als deutscher Staatsbürger wird Jakob zunächst interniert. Er kann zwar wieder fliehen, aber er kommt zu spät zurück. Denn als die Deutschen Belgien besetzen, werden Annie und ihre Eltern nach Auschwitz deportiert.
Jakob und Annie sind fiktive Figuren, aber was sie erlebt haben, war die bittere Realität von vielen anderen. Im ausführlichen Anhang werden die Stationen der Erzählung durch Berichte, Fotos und Dokumente belegt.
Mir war früher nie so wirklich klar, warum nicht viel mehr Juden rechtzeitig aus Deutschland geflohen sind. Dieses Buch macht das sehr deutlich. Erstens, weil sie sich natürlich und zu Recht als deutsche Staatsbürger fühlten. Jakobs Vater hatte als Soldat im Ersten Weltkrieg eine Auszeichnung erhalten. Dass die Nazis sich lange halten würden, konnten die meisten einfach nicht glauben. Zweitens, weil eine Flucht oft gleichbedeutend mit einem wirtschaftlichen Totalschaden war. Wer gibt schon gerne nicht nur seine Heimat, sondern auch seinen Arbeits- oder Ausbildungsplatz, sein Haus und sein gesamtes Vermögen auf? Und drittens, weil die Flucht in den meisten Fällen nur illegal und unter großer Gefahr möglich war.
Als den Menschen die eigentlich ja unvorstellbare Wirklichkeit der Massenvernichtungslager zu Bewusstsein kam, war es zu spät.
Das ist natürlich nur ein Aspekt von vielen.
Wie es für ganz normale Leute war, plötzlich als Menschen zweiter Klasse zu gelten, verfolgt zu werden und alles zu verlieren, wird sehr anschaulich und lebendig an der Geschichte zweier Jugendlicher erzählt. Die Dokumente im Anhang machen noch deutlich, dass nichts an den geschilderten Vorkommnissen frei erfunden ist. Alles, was Jakob und Annie erleben, haben Hundert und Tausende in Wirklichkeit auch durchgemacht.
Das Buch wendet sich gerade an junge Leute, die nicht mehr die Chance haben, mit Zeitzeugen zu sprechen. Ich finde, dass auch Leute in meinem Alter gut daran tun, es zu lesen. Wer aus der Generation unserer Großeltern hat denn jemals ernsthaft mit uns darüber gesprochen, was den Juden damals angetan wurde?
Dienstag, 8. November 2016
Urlaub im November
... und zwar in mitteleuropäischen Gefilden?
Ja, kann ich nur empfehlen.
Wir waren letzte Woche am Schluchsee im Hochschwarzwald.
Da haben wir uns ja jetzt eingenistet.
Außer aufzuräumen und zu putzen konnten wir auch rausgehen und die Landschaft genießen. Das geht jetzt eigentlich sogar besser als im Sommer, weil viel weniger Touristen da sind.
Die meiste Zeit war es wunderbar sonnig und schon ziemlich kalt.
Diese Herren haben Fische in den See gesetzt. Sorgsam verteilt und einzeln abgezählt. Ich würde ja die Eimer einfach irgendwo ins Wasser kippen und sagen, Jungs, nun seht mal zu, wo ihr hinschwimmt... aber nein, die machen das sehr sorgfältig.
Nur schade, dass die Fische dann wieder rausgeangelt werden.
Die Segelboote und das Ausflugsschiff sind schon im Winterschlaf.
Das garantiert völlig freien Blick auf viel Wasser.
Genau genommen unglaubliche 108 Millionen Kubikmeter, wenn er voll ist. Das steht überall dran, weil der Schluchsee nicht zum Schönsein aufgestaut wurde (der frühere See war viel kleiner), sondern zum Strommachen.
Ganz ohne Atom, Kohle oder Windräder.
Montag, 7. November 2016
Wäscheklammerndrache
Ich habe nicht etwa völlig aufgehört, Dinge zu basteln. Es gibt ja aber Terminsachen, wie Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenke, und da kann man halt leider nix zeigen, bevor man es verschenkt hat.
Dieser schmucke kleine Kerl hat heute seinen neuen Besitzer erreicht.
Man benötigt, um so einen zu basteln,
- eine grün angemalte Holzwäscheklammer,
- etwas Moosgummi als Kamm und Zunge,
- zwei Stecknadeln mit Plastikköpfen als Augen und
- ein bisschen Papier als Zähne;
- eine Schere,
- einen Pinsel,
- eine Zange zum Abknipsen der Stecknadeln,
- etwas Alleskleber
- und einen schwarzen Folienstift (Edding oder so was).
Dann lässt man die Klammerhälften gut trocknen und fummelt die Klammer wieder dran.
Kamm, Zunge und Zähne werden ausgeschnitten und mit Alleskleber festgeklebt. Die Zähne dürfen nicht zu tief sitzen, sonst beißt der Drache nachher selber drauf!
Ich hab den Kamm hinten zu einer Seite hin gezogen, damit man nachher noch ein bisschen Fläche für die Finger beim Zusammendrücken der Klammer übrig hat.
Für die Augen hab ich mit einer kleinen Knipszange die Stecknadeln bis auf 2 oder 3 Millimeter unterhalb der Köpfe gekürzt und sie dann einfach ins Holz gebohrt.
Für einen besonders treuen Blick malt man schwarze Pupillen auf.
Und das ist der Beweis, das so ein Tier nicht nur schön, sondern auch nützlich ist!
Genau genommen ist es sogar ein Fahrkartenerinnerungszettelhalterdrache.
Hält natürlich auch Kochrezepte oder Einzelsocken.
Mit etwas doppelseitigem Klebeband am Bauch (des Drachen!) kann man ihn überall aufkleben und sich freuen.
Sonntag, 6. November 2016
Sieben Sachen
Wie immer am Sonntag zeige ich euch sieben Sachen, für die ich am Wochenende meine Hände gebraucht habe.
Den Sammelplatz für alle Sieben-Sachen-Vorstellerinnen findet ihr bei Grinsestern.
1. Eine Regenpause abgewartet und eine kleine Runde Rad gefahren. Eigentlich nur meinen Hausberg rauf und einen anderen Weg wieder runter. Besser als nix!
2. Diesen fotogenen Ziegenbock abgelichtet. Irgendwie fehlt ihm was, nicht wahr? Hörner!
Seit ich im Fernsehen mal gesehen habe, wie man kleinen Ziegen die Hörner entfernt, hoffe ich bei jeder hornlosen Ziege, die ich sehe, dass sie schon so gezüchtet wurde... Und kaufe noch viel lieber Reform- oder Bioziegenkäse, wo man sicher sein kann, dass die Hörner einfach am Tier bleiben dürfen, wo sie ja auch hingehören.
3. Ein bisschen mit grüner Farbe rumgesaut.
4. Den gerade mal wieder trockenen Regenschirm zusammengefaltet.
5. Eine Lieblings-CD angeschmissen. Das ist irgendwie Mäusemusik aus den 70ern. Also wenn Mäuse Musik hören würden, dann so was.
Ab und zu brauche eben sogar ich mal was Fröhliches.
6. Einen Krimi gelesen. Gar nicht so schlecht bis jetzt.
7. Gekocht und gegessen. Jetzt ist es zu unserer normalen Abendessenszeit schon dunkel.
Den Sammelplatz für alle Sieben-Sachen-Vorstellerinnen findet ihr bei Grinsestern.
1. Eine Regenpause abgewartet und eine kleine Runde Rad gefahren. Eigentlich nur meinen Hausberg rauf und einen anderen Weg wieder runter. Besser als nix!
2. Diesen fotogenen Ziegenbock abgelichtet. Irgendwie fehlt ihm was, nicht wahr? Hörner!
Seit ich im Fernsehen mal gesehen habe, wie man kleinen Ziegen die Hörner entfernt, hoffe ich bei jeder hornlosen Ziege, die ich sehe, dass sie schon so gezüchtet wurde... Und kaufe noch viel lieber Reform- oder Bioziegenkäse, wo man sicher sein kann, dass die Hörner einfach am Tier bleiben dürfen, wo sie ja auch hingehören.
3. Ein bisschen mit grüner Farbe rumgesaut.
4. Den gerade mal wieder trockenen Regenschirm zusammengefaltet.
5. Eine Lieblings-CD angeschmissen. Das ist irgendwie Mäusemusik aus den 70ern. Also wenn Mäuse Musik hören würden, dann so was.
Ab und zu brauche eben sogar ich mal was Fröhliches.
6. Einen Krimi gelesen. Gar nicht so schlecht bis jetzt.
7. Gekocht und gegessen. Jetzt ist es zu unserer normalen Abendessenszeit schon dunkel.
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Samstag, 5. November 2016
Mondsichel
Eine schmale, zarte Mondsichel am rosig überhauchten Abendhimmel.
Mit der Zoomfunktion der Taschenkamera besser zu erkennen als mit bloßem Auge - immer wieder praktisch, dass man so ein Gerätlein auch als Fernglas benutzen kann.
Das ist übrigens ein zunehmender Mond.
Dafür gibt es eine wunderbare Eselsbrücke, die ich mit zu der Handvoll nützlicher Dinge zählen möchte, die man mir auf der Schule beigebogen hat.
Die meisten werden sie bestimmt schon wissen, aber vielleicht kennt sie irgend jemand noch nicht:
Wenn der Mond in ein altes deutsches "z" passt, nimmt er zu.
Wenn er in ein "a" passt, nimmt er ab.
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