Freitag, 18. April 2014

Rezension: "London Calling" von Anja Marschall

Man glaubt es kaum: Blogg dein Buch hat mir tatsächlich noch mal ein Buch geschickt, obwohl ich das erste so schrecklich verrissen habe... das war ja aber auch nicht gut.
Offenbar nehmen die einem schlechte Rezensionen wirklich nicht übel.

Dieses Mal wollte ich das hier haben:























Erschienen im Goldfinch Verlag.

Klar wollte ich das haben. Cooler Titel, schönes Cover... und dass auch deutsche Autoren eine Schwäche für London haben, wissen wir ja nun schon länger. Ich glaube, jedes dritte Buch, das ich lese, spielt in London.
Aber jetzt zur Sache!

Kate arbeitet als Krankenschwester und freut sich auf zwei ruhige Wochen Urlaub. Wir ahnen es schon: Daraus wird nichts. Aus dem Nichts taucht Kates alte Freundin Luna auf, die ein Problem hat: Sie hat einem undurchsichtigen Finanzberater ihr gesamtes Erbe anvertraut - jetzt ist das Geld weg, der Banker tot, und die Polizei hält Luna für seine Mörderin.
Die Polizei hat ihrerseits auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Insbesondere Sergeant Grant, der vermuten muss, dass sein Vorgesetzter korrupt ist und seine Ermittlungen gezielt untergräbt.
Kate und Luna tauchen mit mäßigem Erfolg unter und versuchen, den wahren Mörder selbst zu finden...

Mehr will ich jetzt vom Inhalt nicht verraten, denn ein Krimi lebt ja nun entscheidend davon, dass man nicht weiß, wie es weitergeht.

Mir hat das Buch gut gefallen. Keine große Literatur, aber das erwarte ich bei einem Krimi auch nicht. Gut lesbar ist es auf jeden Fall.
Die Handlung ist kurzweilig, spannend und wirkt ziemlich folgerichtig und einigermaßen glaubwürdig. So ein bisschen unwahrscheinlich sind ja bei näherem Nachdenken fast alle Krimis.
Die große Finanzwelt bleibt ein bisschen außen vor, was meiner Meinung nach kein Fehler ist. Dafür wird einem zum Beispiel mal wieder sehr plastisch vor Augen geführt, wie unglaublich viele Überwachungskameras es in unseren Städten gibt. Man möchte sofort losziehen und sich ein paar große Schlapphüte kaufen. 
Die beiden jungen Frauen sind ein nettes unfreiwilliges Ermittlerteam. Kate ist ruhig, vernünftig und ein bisschen schüchtern, Luna ist laut, schrill, auf sympathische Art großmäulig und leicht zu begeistern. Bei ihrer Verbrecherjagd gehen die beiden sozusagen überzeugend dilettantisch vor und erreichen mehr durch spontane Frechheit oder pures Glück als durch kühle und gekonnte Planung - die man einer harmlosen Krankenschwester und einer kurzfristig zu Geld gekommenen Punkerin auch nicht abnehmen würde.
Der mit dem Plan ist der Vorzeigepolizist Sergeant Grant, dem man durchaus zutraut, dass er durchblickt. Da freut man sich doppelt, als sich am Ende herausstellt, dass der dann eben auch nicht alles wusste.
Viel Blut fließt in diesem Buch nicht, Gewaltdarstellung findet kaum statt, und Schweinereien gibt es auch nicht. Recht erholsam, wenn man sich vorher durch ein paar Dutzend Skandinavienkrimis gelesen hat.
Dafür hat man hier und da was zu kichern, zum Beispiel als Luna eine Nacktdemo als Streetartaktion beschreibt:
"Na ja, eigentlich war es eher eine Lebendinstallationaus fünfzig Körpern, die ineinandergeschlungen ein Dollarzeichen ergeben sollten. Hat aber nicht geklappt. Sie hätten vorher üben sollen."

Außerdem lernt man noch was über das Reinigen von Abflussrohren mit Pfefferminzbonbons und Cola.

Mein Fazit:
Ein netter Krimi für zwischendurch, leicht zu lesen und unterhaltsam.
Kann man kaufen und bedenkenlos auch Oma zum Geburtstag schenken.

Wer möchte, kann das Buch hier bestellen.

Kommentare:

  1. Das Reinigen von Abflussrohren mit den beschriebenen Mitteln halte ich schon für etwas kompliziert. Damit das funktioniert und sich bei der Reaktion der beiden Mittel genug Druck aufbauen kann, um die Rohre frei zu bekommen, müsste man ja das Ende, wo die Reagenzien eingefüllt werden, vor der Reaktion komplett und drucksicher abdichten. Steht da auch was drüber drin?

    Ansonsten klingt die Idee eher nach einem Aufruf der Sanitärinnung an Experimentierfreudige, sich die Bäder sanieren zu lassen... (Stelle ich mir zumindest so vor.)

    Als Alternative: Vielleicht geht es ja auch nicht um den Druck, der sich im Leitungssystem aufbauen soll, sondern um die chemische Reaktion, die sich durch alle Ablagerungen durchfressen soll?? Na lecker.

    Gruß, L(I.)

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    1. Sagt ja auch niemand, dass das einfach, sicher oder eine gute Idee ist. =)
      Ich würde auch weiterhin lieber zu Abflussreiniger, Bömpel oder dem Klempner greifen. ;-)

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    2. Als jemand, der 3 Jahre in London gelebt und das eine oder andere Abflussproblem gehabt hat: ich glaube ich würde (nach Abflussreiniger und Pümpel) lieber die Cola testen. Ich schätze, da kann in Etwa genau so viel schief gehen wie bei einem Engländer, der sich "Klempner" nennt. Das mag zwar viel sein, aber man muss wenigstens nicht ewig darauf warten und viel zahlen. Und ich glaube Cola bleicht auch Klamotten nicht so wie Chlorreiniger, den der Klempner intelligenterweise ins Spülbecken kippt, aus dem das Waschmaschinenwasser hochkommt, oder? (Hat mir eine ganze Reihe Lieblingsteile ruiniert und den Küchenschrank samt Vorräten geflutet, dieser "Klempner"...)

      Allerdings glaube ich auch, dass London mit den unzählichen CCTVs nicht gerade die beste Stadt ist um sich unerkannt zu bewegen oder unterzutauchen. Ob das in deutschen (Groß-)Städten auch so extrem ist wäre ich mir gar nicht so sicher, aber in London gibt es tatsächlich an jeder Ecke Kameras und Schilder, die auf selbige hinweisen.

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