Dienstag, 7. Januar 2014

"Winter" im Weinberg

Wir wohnen ja in einem Schwarzwaldtal. Bis da die Sonne um den Berg kommt, wird es zur Zeit elf Uhr. Solange ist Schatten.
Bis dahin kann ich schon entspannt eine Runde mit dem Rad durchs Rheintal gefahren und wieder zurück sein. Vorausgesetzt natürlich, ich muss nicht arbeiten - so wie gestern, da war bei uns Feiertag und so schönes Wetter, dass ich in Buchholz den Weinberg hoch geradelt bin.


















Mei, war das da warm!


















Die Heckenrose ist vermutlich kein Frühblüher, sondern ein sehr später Spätblüher... aber Rosen im Januar find ich irgendwie bekloppt.


















Und Aussicht hat man von da oben! Da hinten ist der Schönberg, wo ich immer rumgetigert bin, als wir noch in Freiburg gewohnt haben, und noch weiter hinten der Belchen.




















In den Tälern lag wohl kein Nebel, sondern eher Rauch. Sieht aber auch schön aus.





















Jetzt war ich auch endlich mal bei dem Kreuz, das ich sonst immer vom Tal aus sehe. 
Ist noch gar nicht so alt - sogar jünger als ich.



















Das Häuschen seh ich sonst auch immer von der anderen Seite. Daran wird gerade eifrig renoviert.


















Und da wartet mein Fahrrad auf mich.
 

















Da hinten in den Vogesen liegt ein bisschen Schnee... weit weg.


















Und auf der Rückfahrt hab ich auch noch ein paar Bilder gemacht.



















Die Störche sonnen sich an der warmen Hauswand. Das sind so halbzahme, die im Winter nicht wegfliegen 8auch nicht, wenn es wirklich kalt wird). Wenn sie Junge haben, fliegen die aber wieder nach Afrika - warum die das dann machen und ihre Eltern nicht, ist mir ziemlich schleierhaft.

Montag, 6. Januar 2014

Centi im Pelz

Nachdem ich euch gestern schon lange Zähne gemacht hab, werd ich mir heute mal wieder ausgiebig auf die Schulter klopfen.

Ich hab mir eine Pelzweste genäht. Ich will schon seit Jahren eine haben, aber die, die ich zum Kaufen gefunden hab, waren entweder hässlich oder im Preisbereich deutlich über 100 Euro. Das ist mir für ein Kleidungsstück, das nur zum Schönsein da ist, zu viel Geld.


























Natürlich ist das kein echtes Fell. Fake-fur macht auch was her.
So wie auf den Fotos - also nur mir Rock und Perlenkette dazu - werde ich das Teil wahrscheinlich nie tragen. Schade, zum Ausgehen, also vielleicht mit Minirock und Plateausandalen hätte das echt was. Aber in Freiburgs Bauerndiscos? Eher weniger.

Eigentlich ist eine Weste ja auch was für obendrüber.























So geht das auch fürs Büro. Natürlich auch mit Hosen dazu. Die kann nur Larissa nicht tragen, weil sie keine Beine hat.
Hübsch stelle ich mir das auch mehr hippiemäßig mit Bluse und halblangem Stufenrock mit Blümchenmuster vor.
Larissa war übrigens maßgeblich am Entstehungsprozess beteiligt. Ich hab den Schnitt nämlich komplett selber entworfen, und dabei hilft eine Schneiderpuppe sehr.

Die Seiten- und Rückenteile sind natürlich nicht aus Plüsch. Ich will ja nicht aussehen wie der Yeti.
Dafür hab ich einen dünnen Baumwollbatist mit einem organisch wirkenden, durchscheinenden Muster genommen. Da schimmert das elfenbeinfarbene Satinfutter durch.


















Natürlich hab ich die Vorderteile auch gefüttert. 
In den Vorderteilen sind übrigens Abnäher an der Brust. Das wollte ich eigentlich vermeiden, weil ich nicht wusste, ab das mit dem Fellimitat geht. War dann aber doch besser für die Passform und technisch überhaupt kein Problem.


















Geschlossen wird die Weste mit Haken und Augen. Die benutze ich sonst so gut wie nie, aber mit dem langflorigen Fell verträgt sich nicht viel an Verschlüssen.
Ich hab noch kurz über Knebelknöpfe nachgedacht, hatte aber nur sehr rustikal wirkende aus Holz.


















Die Bindebänder sind also nur Show. Ich hab dafür drei Sorten Strickgarn in Luftmaschenschnüre gehäkelt. Flechten wäre auch schön gewesen, aber das ist immer so ein Gefummel.
Die silbernen Perlen hatte ich noch in meinem Bastelfundus. Die sind übrigens nicht mal aus Metall, sondern aus Kunststoff, aber so genau wird sie wohl nie jemand anschauen.

Als bekennendes Sparbrötchen muss ich jetzt noch mal durchrechnen, was mich das Teil gekostet hat.
Der Batist war reduziert, das Futter auch. Die kommen zusammen auf höchstens 4 Euro. Vom Fellimitat hab ich sehr wenig gebraucht. Ich meine, dass der Meter damals für 10 Euro zu haben war. Also sagen wir 3 Euro, und dann meinetwegen noch 50 Cent für Nähgarn, Wolle, Perlen und Kurzwaren - ergibt 7,50 Euro.
Und mein eigener Entwurf - unbezahlbar!

Sonntag, 5. Januar 2014

Sieben Sachen, fast ganz in weiß.

Wie immer am Sonntag zeige ich euch sieben Sachen, für die ich am Wochenende meine Hände gebraucht habe.

Nach der Idee von Frau Liebe.
Den Sammelplatz für alle Sieben-Sachen-Vorstellerinnen findet ihr jetzt bei Grinsestern.


















1. Dem Weihnachtsgrünzeug Wasser gegeben. Mindestens bis Dreikönig muss das alles stehen bleiben, darf aber gerne länger.


















2. Einen Stein bemalt. Mit Tatterich gar nicht so einfach.























3. Mit Karlchen aus dem Fenster geschaut. Er hat sich gestern Abend auch Anna Karenina angeguckt und kommentiert... er fand das alles etwas albern. In erster Linie war er aber enttäuscht, dass keine Duelle vorkamen und auch sonst viel zu wenig Action.
Vielleicht wäre Krieg und Frieden eher was für ihn.


















4. Zweites Frühstück am PC eingenommen. Oben liegt die mit Abstand hellste Seite. Ich mag Toast gerne knusprig. Ein bisschen Acrylamid macht das Leben doch erst lebenswert.


















5. Stoffe rausgesucht und (soweit möglich) gebügelt.


















6. Einen Schnitt an der Schneiderpuppe gebastelt und dann die Stoffe zugeschnitten.
Anschließend zweimal den Staubsauger bemüht... künstliches Fell ist der Untergang jeder fusselfreien Wohnung.
In der Hinsicht fast so gut wie echte Katze. Nur dass es nicht versucht, den Staubsauger zu kratzen und zu beißen.


















7. Genäht. Das Ergebnis zeig ich euch nächste Woche.

Samstag, 4. Januar 2014

Na, was machen die guten Vorsätze?

Ich hab's da echt leicht. Ich fasse nie welche.
Allerdings fällt mir auch immer wenig ein, was ein handfester, kompakter Vorsatz wäre. So was wie "ein besserer Mensch werden" ist vielleicht etwas weit gefasst.

Für Leute wie mich gibt es den Vorsatz-o-mat.

Ich könnte mir zum Beispiel folgendes vornehmen:

- beim Training SVP-Mehrheiten verklagen,
- Mittwochs nervende Datenschützer recyceln

oder

- Mehrmals atmungsaktive It-Girls kraulen.

Letzteres gefällt mir ja besonders.

Falls ihr den Vorsatz hattet, mehr raus an die frische Luft zu gehen, und jetzt wie ich den trüben Himmel voller Zweifel betrachtet (es könnte ja sein, dass die Wetterfritzen ausnahmsweise mal richtig geraten haben und es wirklich gleich junge Hunde regnet) - dann hab ich solange schon mal ein paar Bilder aus dem Wald für euch. 























Aber jetzt mal ehrlich: Einfach nur so rauszugehen, weil es mir Spaß macht, finde ich ja viel besser als um einem Vorsatz nachzukommen.
Das Leben schränkt einen doch schon genug ein.
Warum sollte man sich da selber noch freiwillig einen weiteren Zwang auferlegen?



Freitag, 3. Januar 2014

Für sparsame Schlafmützen

Falls es da draußen außer mir noch jemanden gibt, dem immer noch ein Kalender fehlt.

Den süßen Kalender zum Selberzusammenstellen, den es jedes Jahr auf my owl barn gibt, kennt ihr ja bestimmt. Letztes Jahr hatte ich die Bilder ohne das Kalendarium ausgeschnitten und in einen DIY-Kalender geklebt. Sah gut aus. Der Kalender hat ja auch immerhin 6,99 € gekostet, schwarze Pappe, goldene Spiralbindung, kurz, irgendwie zu schade, um ihn gleich nach Silvester wegzuschmeißen.

Heute hatte ich eine Idee, die so einfach ist, dass ich mich frage, wieso ich nicht schon vor Jahren drauf gekommen bin.


















Ich hab die Motive für 2014 mit Kalendarium auf die Rückseiten geklebt.























Schreckliche Vorstellung, wie viele Kalender ich in den letzten Jahren womöglich weggeworfen habe, obwohl ich sie noch mal hätte benutzen können...!


















Und wenn sich schon jemand über die Urlaubsplanung 2014 Gedanken macht - die gute alte Badische Zeitung hilft weiter.
Wer sein Leben lang in überwiegend evangelischen Bundesländern gewohnt hat, weiß das vielleicht nicht - Christi Himmelfahrt und Fronleichnam sind immer Donnerstage.
Von einer Regionalzeitung aus Baden-Württemberg erwartet man dagegen schon, dass ihnen das im Lauf der Jahrzehnte mal auffällt. *seufz*

Donnerstag, 2. Januar 2014

Glück & ich

Es ist Donnerstag. Donnerstags suche ich kleine Stücke vom Glück (Honey hatte die Idee, auch wenn es auf ihrem Blog gerade eher ruhig ist).


















Die Krähe auf dem Dach gegenüber hat heute wieder ganz was Feines gefunden und mit großer Begeisterung gefressen. Krähen sind schon unterhaltsame Viecher.
Manchmal verstecken sie auch gute Sachen wie lummelige Pommes, nasses Brot oder alte Wurstscheiben in geeigneten Ritzen. Ich hab allerdings noch nie gesehen, dass eine Krähe da wieder was rausholt. Warum auch, sie finden ja genug Neues.

Zum Glück wohnt da niemand unterm Dach - ich bin mir sicher, es riecht im Sommer manchmal seltsam.
  

















Da! Ein slovenisches 2-Cent-Stück mit einem Muffin drauf!
Nein, es kam mir auch unwahrscheinlich vor - das ist der Fürstenstein.
Offenbar gibt es Leute, die es nicht gut finden, dass der da drauf ist. Ich kleine Ignorantin hatte bis jetzt gar nicht gewusst, dass er überhaupt existiert.
Zum Glück haben wir Wikipedia!

Allerdings wäre ein Muffin auf einer Münze schon echt lässig.


















Ein Blick in meine Handtasche.
Zum Glück muss ich mir zur Zeit wirklich keine Sorgen machen: Falls ich ein Taschentuch brauchen sollte, hab ich auf jeden Fall eins.
Oder 28.

Mittwoch, 1. Januar 2014

Lesefutter Dezember

Bevor ich's vergesse: Euch allen ein gutes Neues Jahr! 

Neujahr ist ein guter Tag zum Aufräumen und Ersetzen. Die alte Kalender abnehmen, die neue Fahrkarte einstecken, die Leseliste vom letzten Jahr löschen...

Meine Bücher im Dezember stammen bis auf das letzte wieder alle aus der 10-Cent-Grabbelkiste.


















Robert Harris: Vaterland

Die Handlung ist eigentlich nicht weiter der Rede wert – Ein Typ mit Problemen ist einer großen Sache auf der Spur, trifft dabei auf eine hübsche, jüngere Frau, die beiden verlieben sich, stellen fest, dass die Sache viel größer ist als zunächst angenommen und geraten in Gefahr. Thrillertypisch eben.

Das Interessante ist das Setting. Harris lässt sein Buch in einem fiktiven Deutschland in den 60ern spielen, wobei er davon ausgeht, dass Deutschland den Krieg gewonnen hat und die Nazis Europa beherrschen. Berlin ist zum monströsen Germania umgebaut worden, das Regime hat sich etabliert und die Bevölkerung hat sich arrangiert. Es gibt praktisch keinen Widerstand, und die US-Regierung schickt sich gerade an, die diplomatischen Beziehungen zum deutschen Reich auf eine freundschaftliche Ebene zu bringen. Das ist eine sehr bösartige Dystopie, und sie ist überwiegend auch ganz überzeugend gelungen. 
Ein Buch, das spannend ist und gleichzeitig nachdenklich macht.




 













Werner Bergengruen: Die Sultansrose

Bergengruen ist ein typischer Nachkriegsschriftsteller – er schreibt routiniert nette Geschichten, die ohne Politik auskommen. Das kam damals verständlicherweise gut an und geriet irgendwann wieder aus der Mode. Die Sultansrose ist eine kleine Sammlung von Geschichten, die zumindest teilweise gar nicht so betulich und lustig sind, sondern ziemlich ernst und ziemlich blutig. Es ist sozusagen von allem was dabei, und das macht die Geschichten sehr abwechslungsreich. Das bleibt in meinem Bücherregal. Ein kleines Schmankerl daraus muss ich zitieren, weil ich es einfach so toll finde. Der König von Frankreich beendet die Beziehung zu seiner Maitresse mit folgenden Worten:
"Von nun an versagen Wir Uns Ihren Anblick. Mit der Wartung des königlichen Liliengartens werden Wir eine andere Gärtnerin betrauen."
Großes Kino!



 














Emile Zola: Nana

Im Fernsehen hatten wir uns La Traviata angeschaut, das ist die Oper, die Verdi aus Dumas’ Roman Die Kameliendame gemacht hat. Die Hauptperson ist eine Pariser Kurtisane. 
Tags darauf hab ich angefangen, die Buch zu lesen, und siehe da: Die Hauptperson ist eine Pariser Kurtisane (eine Kurtisane ist eine Frau, die sich von einem oder mehreren Liebhabern aushalten lässt, also im Prinzip eine Prostituierte, aber auf hohem Niveau).
Am Anfang ist das Buch leider schrecklich langatmig. Es treten unzählige Personen auf, bei denen man das Gefühl hat, dass man sich irgendwie merken sollte, aber es ist wie bei Dostojewski - es sind einfach zu viele. Immerhin ist Zola vergleichsweise lustig, weil er die Pariser Gesellschaft im 19. Jahrhundert ironisch auf die Schippe nimmt. Die Hauptperson Nana kommt aus ärmlichen Verhältnissen und wird als Schauspielerin bekannt, die ohne jedes Talent, sondern allein durch ihre Schönheit Erfolg hat. Nana verkauft sich, um über die Runden zu kommen. Irgendwann wird aus der Benutzten diejenige, die die Männer benutzt. Nana treibt sie reihenweise in den Ruin und sogar in den Selbstmord (und das tut meinem Gerechtigkeitssinn doch ungemein gut). Dabei rächt sie sich nicht bewusst an der Gesellschaft - dafür ist Nana zu dumm und zu kindisch – sie lebt einfach die pure Lust an der Verschwendung aus, bis sie sich selbst ruiniert.

Wenn das Buch ein bisschen kürzer und gestraffter daher käme, würde es mir wirklich gut gefallen. 

So hübsch waren Reclam-Hefte mal!



 














Abbé Prevost: Manon Lescaut

Um die unfreiwillige Themenrunde komplett zumachen, hab ich gleich noch mal ein Buch über eine Pariser Kurtisane erwischt.
Allerdings ist das viel älter als die Kameliendame (1848) und Nana (1880), nämlich von 1731. Damals hatten Romane noch eine handfeste Geschichte zu erzählen. Einfach nur eine tragische Liebe oder ein bisschen Nabelschau der Pariser Schickeria ging da noch nicht. Folglich kommt das Buch das ein etwas eigenartiger Abenteuerroman mit einem moralisch wankelmütigen Beinahe-Helden daher. Der junge Chevalier aus gutem Hause will Priester werde, verliebt sich aber unsterblich in die schöne Manon, die leider den Luxus ein bisschen mehr liebt als ihn. Erst verlässt sie ihn wegen eines Mannes, der mehr Geld hat als er, dann gewinnt er sie zurück, dann versuchen sie zusammen reiche alte Säcke auszunehmen, fliegen auf, werden eingesperrt, können fliehen, frönen wieder dem süßen Leben, das sie nicht bezahlen können usw.
Selbstverständlich kommen in diesem Buch keine Sexszenen vor, die gab es auch bei Zola und Dumas noch nicht, aber trotzdem gab es wohl damals Probleme mit der Zensur.
Ich hatte ja beim Lesen die Vorstellung, dass der Autor gemütlich in seinem Pfarrhaus oder in seiner Klosterzelle saß und sich zur Entspannung wilde Geschichten ausgedacht hat. Interessanterweise ist das Buch laut Wikipedia teilweise autobiographisch, und zwar sowohl was die Geliebte, als auch was den Gefängnisaufenthalt angeht. Der gute Abbé muss eine ziemlich schillernde Persönlichkeit gewesen sein. 



















Whit Matserson: Mein Mann ist irr und lässt mich grüßen

Das Buch hab ich wegen seines seltsamen Titels mitgenommen. Außerdem war ich mir da ziemlich sicher, dass keine Kurtisanen drin vorkommen.
Es handelt sich um einen amerikanischen Krimi aus den 60ern. Ein psychisch labiler Mann entführt seinen Sohn, und seiner Exfrau glaubt natürlich erstmal niemand, dass das Kind in Gefahr ist.
Die Charaktere sind ein bisschen flach, ein paar Sachen würde man heute wohl nicht mehr so schreiben (zum Beispiel die Szene, in der der Polizist der völlig verängstigten Mutter erstmal eine scheuert, um sie wieder zur Besinnung zu bringen, was auch ganz wunderbar funktioniert), aber dafür sind die Sprüche teils gar nicht schlecht – und von einem alten Krimi kann man ja auch keine literarischen Höheflüge erwarten. Das liest man zwischendrin zur Ablenkung, und dafür eignet es sich auch ganz gut. 



















Harald Haarmann: Geschichte der Schrift

Kein Grabbelkistenfund, sondern ein Weihnachtsgeschenk. Aus der gleichen Reihe hatte ich mal das sehr gut lesbare und interessante Buch Was heißt hier deutsch? von Wolfgang Krischke bekommen. Die Geschichte der Schrift kommt im Vergleich leider nicht so gut weg.

Erstmal muss man einigermaßen firm im Verständnis von Fremdwörtern sein. Das Buch wimmelt von Sätzen wie diesem, in denen die altchinesische Sprache erläutert wird:
"Die Bedeutung sprachlicher Äußerungen ist jeweils abhängig von den Sequenzen der lexikalischen Morpheme im syntagmatischen Zusammenhang."
Ich meine - das ist ein Buch für jedermann, nicht für Studenten der Literaturwissenschaft.
Dann neigt der Autor zu überflüssigen Wiederholungen. Ich meine damit nicht, dass das eine oder andere Thema mehrmals im Buch auftaucht, das ist vielleicht gar nicht zu vermeiden, sondern dass zwei Sätze praktisch gleichen Inhalts direkt hintereinander stehen.
Zum Beispiel Satz 1 (es geht um Beschriftungen auf Metallgegenständen):
"[...] viele Metallgegenstände sind aber im Laufe der Zeit dadurch zerstört worden, daß sie eingeschmolzen und ihr Metall erneut verarbeitet wurde."
Gut, das ist ein einleuchtendes und nachvollziehbares Argument. Aber dabei belässt es der Autor nicht, es folgt Satz 2: 
"Eine Vielzahl von Skulpturen und Schmuckgegenständen ist dem Prozeß der materiellen Wiederverwertung zum Opfer gefallen."
Danke, wir hatten bereits verstanden. Aber selbst das reicht ihm noch nicht aus, er packt noch Satz 3 obendrauf:
 "Dies gilt auch für die Beschriftungen, die solche Gegenstände einmal trugen."
Ja nun. Alles andere wäre gelinde gesagt überraschend.
So was macht mich wahnsinnig. Das ist genau wie mit diesen Schwätzern, die in der Schule immer eine Eins in Mitarbeit bekommen haben, weil sie sich ständig gemeldet und exakt das, was der Lehrer gerade gesagt hatte, noch mal in eigene Worte gefasst haben. Unnütz und überflüssig.

Schade – der Autor weiß zwar wirklich unglaublich viel, aber das Thema hätte man bestimmt besser behandeln können.