Mittwoch, 23. Juli 2014

Wasser, Nebel, Drachen


















In den letzten Tagen hat es hier kräftig geregnet. Gestern Abend war zu meinem nicht geringen Entzücken die Baustelle gegenüber von uns überschwemmt.


















Die Bleibacher Seenplatte.
Mit der Wiese, die da vorher war, wäre das nicht passiert.
Ich bin ja mal gespannt, wie das wird, wenn die Geschäfte und Parkplätze fertig sind und es dann regnet.



















Den Nebel gab es dann heute Morgen, als ich zur Arbeit geradelt bin.
Eine Stimmung wie im Oktober, nur viel wärmer.



















Und ein bisschen Überschwemmung war natürlich auch noch da.


















Bis heute Mittag hatten sich Wärme und Feuchtigkeit zu einer richtig fiesen Schwüle gesteigert, also hab ich mein Fahrrad in Freiburg gelassen und bin mit dem Zug heimgefahren.
Und am Bahnhof saß dann der Drache und wärmte sich auf.
Ein kleiner Drache.
Na gut, eine Eidechse.
Also schön, ein Eidechsenkind.


















Zum Glück denken viele rauchende Mitmenschen ja mit und versorgen uns alle mit genügend Zigarettenkippen für den allgegenwärtigen Größenvergleich.

















Dienstag, 22. Juli 2014

Rezension: Teufelsmord von Tanja Noy

Blogg dein Buch hat mir wieder einen Krimi gegönnt. 
Teufelsmord von Tanja Noy. Hier erhältlich. 






















Vielen Dank an den Mira-Taschenbuch-Verlag.  Ich wusste gar nicht, dass die auch Krimis haben. Oder Thriller, meinetwegen.

Kurzer Anriss der Story: 
Tanja Wagner meint mit 30, ihre Vergangenheit weit hinter sich gelassen zu haben. Aber sie fährt zur Beerdigung einer Freundin aus Kindheitstagen, die ihren Mann umgebracht haben soll und sich anschließend erhängt hat. Tanja, die Tote und zwei weitere Freunde sind im kleinen Ort Wittenrode im Waisenhaus aufgewachsen. Wittenrode wurde 20 Jahre früher von einer Serie von Ritualmorden erschüttert. Das Dorf ist eine verschworene Gemeinschaft, die weniger aus Solidarität zusammen hält, sondern weil zu viele Leute etwas zu verbergen haben. Tanja glaubt an die Unschuld ihrer Freundin und beginnt, unbequeme Fragen zu stellen. Sie ahnt nicht, dass sie bereits in höchster Gefahr schwebt.

Was ich dazu meine:
Nun ja. Fangen wir mal mit den positiven Seiten an.
Recht hübscher Einband, sauberer Druck, gutes Papier, keine Druckfehler (und das hat ja heutzutage schon fast Seltenheitswert). Offen gesagt, schon da war ich in allen Punkten skeptisch - meine bisherigen Erfahrungen mit Mira-Taschenbüchern waren nicht unbedingt von der Art, dass ich da viel erwartet habe.  

Das Buch ist gar nicht schlecht geschrieben, nur hier und da klingen die Dialoge noch etwas hölzern.
Die Geschichte beginnt eigentlich auch ganz spannend. Der Mann, der in der Vergangenheit als Mörder verhaftet wurde (und sich dann, wenig originell, ebenfalls in Polizeigewahrsam umgebracht hat), hat die Morde natürlich nicht begangen, sondern der große Unbekannte. Leider wird uns zu einem sehr frühen Zeitpunkt erklärt, dass der Täter ein äußerlich gut angepasster, hoch intelligenter, männlicher Soziopath sein muss, der außerdem notwendigerweise in Wittenrode lebt. Im Buch kommen exakt zwei Männer vor, auf die diese Beschreibung zutrifft. Mit ganz viel gutem Willen vielleicht drei. Zwei von den dreien werden zu offensichtlich verdächtig dargestellt, um uns als Mörder wahrscheinlich vorzukommen. Das schränkt die Auswahl und damit den Rätselspaß natürlich etwas ein. Zumal die anderen auftretenden Personen sterben wie die Fliegen.
Die Satanismusnummer hängt mir inzwischen ein bisschen zum Hals raus. Menschenopfer hatten wir doch nun schon öfter. Aber gut, über irgendwas muss man ja schreiben. Gefallen haben mir die Abhängigkeiten in der Dorfgemeinschaft – man hält nicht zusammen (oder zumindest: die Klappe), weil man sich so gern hat, sondern weil jeder seine eigenen Interessen wahren möchte. Ein ländlicher Wust aus verbotenen Liebesverhältnissen, Gewalt, Trunksucht, Spekulationen, Habgier, Eifersucht und Inzest. Da ist der Autorin einiges eingefallen.
Die Charaktere sind vielleicht ein bisschen flach, ein bisschen stereotyp, aber gut - schließlich ist das ein Krimi und kein Anwärter auf den Literaturnobelpreis.
Schlimmer finde ich das Setting.
Wir haben da ein winziges Dorf in Norddeutschland, das sich einer sensationellen Infrastruktur erfreut: Es gibt einen Bürgermeister, einen Pfarrer, eine Polizeidienststelle, einen Bäcker, einen Friseur, eine Pension, eine Kneipe, ein Waisenhaus und eine Burgruine mit Kapelle und – unterirdischem Verlies. Ehrlich. Wenn das so läuft in Niedersachsens Outbacks, dann wird der Länderfinanzausgleich jetzt wohl bald in Richtung Süden fließen.
Und dann die Kinder, die alle unter strenger Aufsicht des Pfarrers im Waisenhaus aufgewachsen sind – ich mag mich täuschen, aber heißen solche Einrichtungen nicht seit geraumer Zeit Kinderheim und werden Waisen nicht auch eher an Adoptiv- oder Pflegeeltern vermittelt? Wir sind doch nicht mehr im 19. Jahrhundert.
Noch dazu ist das ganze Dorf angeblich erzkatholisch. Die nächste größere Stadt ist Hannover. Ist man in der Gegend traditionell nicht überwiegend evangelisch?
Einiges davon könnte die Autorin mit ein paar Sätzen aufklären (eine große, erfolgreiche Firma am Ort, eine geschichtlich bedingt katholische Enklave, was auch immer), aber das tut sie leider nicht.
So, wie das Buch sich präsentiert, erinnert es zu deutlich an Enid Blyton. Die vier Freunde. Mit Taschenlampe. Allerdings ohne Hund. Man sollte dankbar sein.
Ein Punkt noch, der mich immer wieder ärgert. Die Autorin lockt uns mit Geheimnissen, deren Lösung sie uns vorenthält. Was hatte Tanjas Vater denn nun zu verbergen? Nur die Alkoholabhängigkeit ihrer Mutter? Riskiert ein Staatsanwalt wegen so was Kopf und Kragen? Und hatten die Eltern wirklich einen Unfall oder wurden sie ermordet? Auch der Grund, weshalb der Mörder sich ausgerechnet Tanja als Widersacherin erwählt hat, ist so dünn, dass die Autorin ihn ganz zum Schluss selber noch schnell in Frage stellt. Auch hier keine Antwort, keine Auflösung.
Was ich aber nicht unerwähnt lassen möchte: Das Buch ist ein Erstlingswerk. Viele der Dinge, die ich hier so freigiebig kritisiere, nerven mich auch an erfolgreichen und hochgelobten Krimiautoren. Vielleicht schreibt die Autorin sich noch so richtig warm und das nächste Buch ist dann ganz hervorragend.

Fazit: 
Für einen Tatort am Sonntagabend wäre die Geschichte völlig in Ordnung (allein schon, weil wir da viel Übleres gewohnt sind), für einen richtig guten Roman reicht es nicht so ganz aus. 

Montag, 21. Juli 2014

Das Ende der Unschuld

Ich habe heute ein Verbotsschild aufgehängt. Draußen.
Gut, das Wort "verboten" kommt nicht vor, aber es ist deutlich genug.


















Ich finde es zwar ziemlich schrecklich, wenn an jeder Ecke "Betreten verboten" oder "Privatgrundstück" steht, aber irgendwann ist man einfach mürbe.
Reden und um Verständnis bitten hilft auf Dauer eben doch nicht.

Das Schild hängt auf unserem Grundstück neben dem Haus.
Da kann man durchgehen, wenn man unbedingt möchte, und spart damit ungefähr 15 Meter Weg auf dem regulären Bürgersteig. Wenn man in unsere Sackgasse möchte. Sonst kommt man nirgends hin. Scheinbar wollen aber ziemlich viele Leute, die da weder wohnen noch mir sonstwie bekannt sind, in eben diese Sackgasse. Und das macht auf Dauer die Pflanzen nicht unbedingt besser.
Außerdem sind die Fenster von unserem Bad und Schlafzimmer von dort aus einsehbar. In beiden Räumen schätze ich ein wenig Privatsphäre durchaus.
Ich hoffe, dass unsere Grünfläche jetzt weniger Durchgangsverkehr und mehr Chance auf gezieltes Zuwachsen hat.

Kurzfristig hab ich überlegt, statt "Kein Durchgang" auf das Schild "Wer hier durchgeht, ist ein Nazi" zu schreiben, aber das findet vielleicht nicht jeder so lustig.

Das Schild ist übrigens aus beidseitig bedruckter und laminierter Pappe, die ich mit hoffentlich wirklich rostfreien Büroklammern an einen dünnen Strick gehängt habe.
Auffallen müsste es jetzt. Bin gespannt, ob es auch hilft.
Und ob es dran bleibt.

Wenn nicht, überleg ich mir die Sache mit dem Nazi noch mal.

Sonntag, 20. Juli 2014

Sieben Sachen

Wie immer am Sonntag zeige ich euch sieben Sachen, für die ich am Wochenende meine Hände gebraucht habe.

Nach der Idee von Frau Liebe.
Den Sammelplatz für alle Sieben-Sachen-Vorstellerinnen findet ihr jetzt bei Grinsestern.


















1. Gefrühstückt.


















2. Sandalen angezogen und durch den Wald gestapft. Das macht man besser mit geschlossenen Schuhen, aber dieses Mal ging's gut.
Bis auf eine Zecke, die später an meiner Kniekehle hing, aber die hätte ich vermutlich mit Wanderschuhen auch aufgesammelt.


















3. Einen Blauvioletten Waldlaufkäfer fotografiert. Er wollte das durchaus nicht. Ein sehr pressescheues Tier, das den schönen wisschenschaftlichen Namen carabus problematicus trägt.


















4. Sandalen mal kurz ausgezogen und einmal durch die Kneippanlage geschlappt. Das Wasser war richtig schweinekalt und folglich sehr erfrischend.


















5. Finger als Scharfstellhilfe benutzt.


















6. Ein paar Brombeeren geerntet. Meine Lieblingsstelle ist dummerweise gerade dem Wegfreischneiden zum Opfer gefallen.


















7. Die Beute mit Apfel und Banane eingekocht. Dummerweise hatte ich keinen Gelierzucker.
Sollte das Ergebnis fest werden, ist es Marmelade, sollte es dickflüssig bleiben, wird es zur Fruchtsoße umgewidmet.

Samstag, 19. Juli 2014

Kringelwolke


















Meistens, wenn man eine ungewöhnliche Wolke fotografieren will, besteht der Vordergrund aus einem trostlosen Garagendach und einer einfach nur störenden Fernspannungsleitung.
Oder man hat keine Kamera dabei.
Oder man hat eine, aber keine Speicherkarte.

Manchmal hat man aber auch Glück. So wie ich meiner bescheidenen Meinung nach mit dieser Wolkenspirale.
Malerische Landschaft, Baumwipfel am Horizont und ein paar Kühe als Größenvergleich und für mehr Idylle.

Freitag, 18. Juli 2014

Kindle oder Buch?

Ich gehe davon aus, dass ihr, meine Lieben, zur lesenden Minderheit gehört.
(Oder guckt ihr euch etwa nur meine Fotos an? Wäre mir auch recht, ich geb's zu.)

Was mich mal interessieren würde: Lest ihr lieber auf Papier oder Bildschirm?


















Bei mir ist das unterschiedlich. Blogs lese ich gerne, und die gibt es nur online. Allerdings lese ich nur Blogs, auf denen es auch Bilder gibt.
Die Tageszeitung lese ich auch meistens im Internet.

Längere Texte, vor allem Bücher, brauche ich definitiv auf Papier. Selbst wenn ich einen Text elektronisch habe, drucke ich ihn mir am liebsten zum Lesen aus.
E-Reader sind gar nichts für mich. Die Vorteile sind zwar nicht zu verachten, aber ich möchte echte, richtige Bücher, die ich in der Hand halten und später ins Regal stellen kann.























Weil ich außerdem auch noch alte Bücher lieber mag als neue, gerate ich manchmal an Exemplare, die man so, wie sie sind, allerdings nicht in der Hand halten will.

Diese Volks-Ausgabe von "Rosegger's Schriften" (damals war der Apostroph noch richtig) hab ich heute aus der Grabbelkiste gerettet. Sie war ziemlich schmuddelig und folglich bin ich auf die Idee verfallen, den Einband mit einem feuchten Tuch abzureiben.
Super Einfall.
Sowohl die graue Grundfarbe als auch der schwarze Aufdruck sind aus wasserlöslicher Farbe.
Bevor alles ab war, hab ich es zum Glück gerade noch gemerkt.


















Ich meine - das Buch ist nicht wertvoll oder so was, aber ist verdammte 112 Jahre alt und ich hätte es um ein Haar versaut! 


















Anderes Buch:
Was man elektronisch vermutlich nicht bekommen wird: Eine Fußnote, die (mir wenigstens) noch unverständlicher ist als der Text.
Außerdem glaube ich, dass es das Buch auch nicht als E-Book gibt.


















Und dann natürlich: Verzierungen, Illustrationen, die Druckbilder, das Papier...


















... und die persönlichen Spuren der Vorbesitzer. Widmungen, Markierungen, Einträge, Ex Libris', Lesezeichen und Zeitungsauschnitte.
























Und natürlich die Einbände!



















Und Goldschnitt. Goldschnitt! Gibt es elektronisch nicht, da bin ich mir sicher.

Donnerstag, 17. Juli 2014

Kreuze, Kirchen und Kapellen

Heute folgt der sakrale Teil von St. Peter... St. Märgen hat ebenfalls eine große Barockkirche zu bieten, aber die konnte ich mir nicht angucken, wir wollten ja schließlich wandern.


















Wegkreuze hab ich ein halbes Dutzend fotografiert. Keine Sorge, die zeig ich euch jetzt nicht alle. Interessant: Es war kein einziges altes dabei. Alle aus den 90er Jahren oder neuer.























Die erste Kapelle, an der wir halt gemacht haben, ist die Vogesenkapelle. Ganz klein und niedlich.
Gebaut hat sie ein Mann, der als Soldat im ersten Weltkrieg in den Vogesen lag und von dort aus seine Heimat sehen konnte. Da hat er gelobt hat, zum Dank eine Kapelle zu bauen, wenn Gott den Schwarzwald vor Krieg und Zerstörung bewahrt.
























Die Klosterkirche in St. Peter ist dagegen riesenhaft. 























Roten Sandstein muss man mögen, aber beeindruckend ist die Fassade allemal.


















Allerdings nichts im Vergleich zum Innenraum. 
 

















Da wurde nicht gekleckert, sondern geklotzt. Fresken, Stuck, Statuen - da müsste man sich stundenlang aufhalten, bis man alles gesehen hat.























Der farbige Marmor, aus dem hier zum Beispiel die Säulen sind, ist übrigens kein Marmor sondern Gips, der farbig angerührt, gemischt, gegossen und anschließend poliert wurde.



















Der Hochaltar ist durch ein Gitter abgetrennt - ich hab mich nicht getraut, auszuprobieren, ob es offen ist.
Ich bin ja (jetzt hätte ich fast gesagt: leider) evangelisch und bin mir folglich manchmal nicht ganz sicher, was man in katholischen Kirchen darf und was nicht.
Im Unterschied zu evangelischen Kirchen darf man sie schon mal jederzeit betreten, was meiner Meinung nach echt für den Katholizismus spricht.




















Das ist das Klostergebäude von außen. Bis vor kurzem war da ein Priesterseminar drin, aber die sind jetzt wohl in Freiburg.























Wir sind dann noch weiter gegangen zur Wallfahrtskapelle auf dem Lindenberg. Nicht verwandt mit dem gleichnamigen Udo.
























Da hab ich innen nur ganz verschämt zwei Fotos gemacht, weil vorne drei ältere Herren saßen und einer davon halblaut gebetet hat. Man will ja nicht stören.
Meine Kollegen haben mir später erzählt, dass es da einen Männergebetskreis gibt, die sich einmal im Jahr treffen und dann eine Woche im Stück beten, Tag und Nacht. Natürlich in Wechselschicht.
Die Institution gibt es wohl seit 1955, als Adenauer in Moskau war. Damals haben die Männer dafür gebetet, dass ihre Kameraden, die noch in Russland als Kriegsgefangene waren zurück nach hause dürfen.


















Ein paar Votivtafeln gab es auch, und nebenan ein großes Pilgerheim mit Gaststätte.
Um mal wieder ganz weltlich zu werden: Die haben vernünftige Preise und riesige Kuchenstücke - falls mal jemand von euch hinkommt.