Donnerstag, 24. September 2015

The Shepherd’s Crown von Terry Pratchett

Da hab ich ja mal wirklich Glück gehabt – wenn ich dieses Buch nicht über Blogg dein Buch  zum Rezensieren bekommen hätte, hätte ich es mir selber kaufen müssen.
Denn lesen musste ich das, das war ganz klar: Terry Pratchetts letztes Buch (er ist im März dieses Jahres gestorben), und dann noch eins mit Tiffany Aching. Die Tiffany-Bücher sind Jugendbücher, die mir noch besser gefallen als die Scheibenweltromane für Erwachsene.

Also, vielen Dank, lieber Verlag!























Den Schutzumschlag ziert, wenn man so will, ein Motiv von Paul Kidby. Ich mag seinen Stil genau so wenig wie den seines Vorgängers. Zum Glück ist das Buch selber ziemlich edel gebunden - da werde ich mich ohne Reue vom Umschlag trennen:


















Bevor es losgeht, noch kurz zur Sprache: Pratchett ist ein Meister des Wortwitzes. Das ist naturgemäß im Original immer am besten. Ich muss aber gestehen, dass mir da auf Englisch ab und zu was einfach durch die Lappen geht. Und dass die Wee Free Men (so eine Art Miniaturschotten) ziemlich schwer zu verstehen sind.
Wer sich das nicht zutraut, der warte getrost auf die deutsche Übersetzung. Sie wird zweifellos gut sein.

In dem Buch passiert das, was sich schon länger ankündigte, und was ich nur deswegen in Ordnung finde, weil es eben das letzte Buch ist – Oma Wetterwachs, die beste Hexe der Welt (und zwar meiner Meinung nach nicht nur der Scheibenwelt), stirbt. Auch nicht überraschend: Tiffany, die inzwischen 16 ist, wird ihre Nachfolgerin. Kein leichtes Erbe für einen Teenager. Außerdem macht Omas Tod die Barriere zwischen den Welten durchlässig für das Elfenheer. Die Elfen sind mächtig, grausam und böse. Da kommt einiges auf Tiffany zu.

Eins muss ich leider sagen: Das originellste aller Scheibenweltbücher ist das nicht.
Alle Motive sind schon mal irgendwo anders vorgekommen, und die Handlung haut einen jetzt auch nicht gerade restlos um. Ein oder zwei kleine Nebenstränge der Erzählung enden leider im Nichts. Das liegt einfach daran, dass der Autor keine Zeit mehr hatte, das Buch so richtig in Ruhe auszufeilen.
Dafür ist es wie immer insgesamt toll geschrieben. Und, was ich an Pratchett unter anderem so mag: Er ist nicht nur lustig, sondern behandelt auch ernste Themen auf eine Weise, die mir weder oberlehrerhaft noch nervig vorkommt. In The Shepherd’s Crown geht es nicht nur um den Tod und das Erwachsenwerden, sondern auch um Gleichberechtigung, Macht und Mitgefühl.

Was das Buch allerdings für mich persönlich wichtig macht: Es ist ein Abschluss und macht die Geschichten um die Hexen, die mir in den letzten 20 Jahren schon sehr ans Herz gewachsen sind, zu einer runden Sache.
Oma Wettwachs weiß, dass sie sterben wird und räumt vorher noch mal ihre Hütte gründlich auf, macht sauber und stellt sicher, dass alles seine Ordnung (oder vielmehr: ihre Ordnung) hat.
Terry Pratchett war seit Jahren schwer krank und wusste auch, dass er nicht mehr lange zu leben hatte.
Bestimmt ist The Shepherd’s Crown auch ein Stück Aufräumen und in Ordnung bringen.

Ist es OK, wenn ich mir mal unauffällig ein Tränchen aus dem Knopfloch wische? Danke.

Bevor es jetzt zu traurig wird hier (und wenn ich die Gelegenheit schon mal habe), möchte ich gerne noch zitieren, wie Nanny Ogg Oma Wetterwachs' Tod kommentiert: "It's a shame. Always thought as I'd be the first to go, what with my drinkin' and suchlike, especially the suchlike."

Kommentare:

  1. Hier auch ein Tränchen nach Deinem Text. Das Buch habe ich noch nicht, und brauche es natürlich auch.

    Zum Unterschied deutsche Übersetzung und englisches Original kann ich nur sagen: Das Original ist natürlich einfach das Original, und deswegen schon vorzuziehen, Ich behaupte, ein sehr gutes passives Englisch zu beherrschen (das heißt verstehen ist nahezu perfekt, sprechen ist immer schwierig, weil ich nie auf die Worte komme ^^), und mir entgehen Wortwitze nur sehr selten (Meist nur dann, wenn es sich um englische Gepflogenheiten geht, die ich so einfach nicht kenne).

    Trotzdem habe ich hauptsächlich die deutschen Übersetzungen zu Hause- erstens, weil ich mit 12 oder so angefangen habe, Pratchett zu lesen, und da war Englisch noch nicht in dem Umfang möglich, zweitens, weil ich finde, dass die Übersetzungen auch sehr gut sind. Wortwitze sind oft nicht nur stupide übersetzt (Okay, manchmal schon,aber eher selten), sondern es wurde nach einer adäquaten Analogie im Deutschen gesucht, die es dann für deutsche Leser extrem witzig macht, Ich habe manche Bücher auf deutsch und auf englisch gelesen, und erst die Unterschiede bemerkt als ich noch mal nachgeschaut habe, wie dieses und jenes im Original/übersetzt war, weil ich es anders in Erinnerung, bzw anders erwartet habe.
    Wäre mein Bücherregal nicht schon extrem voll, würde ich glatt die ganze Reihe auf deutsch UND auf englisch besitzen wollen ^^

    Jetzt bin ich sehr gespannt auf das Buch!

    Liebe Grüße
    Katha

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    1. Was die Übersetzungen angeht, kann ich dir nur rechtgeben.
      Ich hab ein Buch auch mal im Original und der Übersetzung gelesen, und ds fiel mir eben auf, dass ich an einer Stelle, als das Bild von dem Riesen im Kalk beschrieben wird, verstanden habe, er hätte sozusagen sehr auffällig keine Hosen an. Das hab ich schon kapiert, fand es nicht besonders komisch... aber in der deutschen Fassung wurde dem Riesen eine "bodenlose Hosenlosigkeit" beschieden, und das fand ich extrem gut. Entweder war das nun ein Goodie des Übersetzers, oder ich mir sind die Feinheiten im Englischen an der Stelle einfach entgangen. :D

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  2. An die bodenlose Hosenlosigkeit kann ich mich im Moment gar nicht mehr erinnern- aber mein Gedächtnis ist eh ein Sieb. Muss alle nochmal lesen, glaube ich. Dann weiß ich auch vielleicht wieder, wo das mit dem Klugscheißer drin ist Das ist nämlich auch so eine Sache, die ich gerne zitiere: Ein Klugscheißer kann ja nur der sein, der die Weisheit mit Löffeln gefressen hat.
    Ich muss unbedingt herausfinden, was das auf englisch heißt, denn ich glaube, es gibt keine passenden Redewendungen dazu. Zumindest kenne ich keine... (und ich gab ja bereits tüchtig mit meinen passiven Englischkenntnissen an, nicht wahr? ;-) )
    also, alles noch mal lesen ^^

    Liebe Grüße
    Katha

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  3. Noiiiiiin, Spoiler! Ich hatte mich bisher darum gedrückt, Rezensionen zu lesen, damit ich keine abbekomme, aber bei dir konnte ich nicht darauf verzichten. Tja, Pech gehabt.^^
    Aber irgendwie ist es auch schön zu wissen, dass Oma Wetterwachs noch einen Abschluss bekommen hat. In so vielen Büchern wurde darauf hingeschrieben, ich glaube fast, dass ich traurig wäre, wenn das jetzt nicht passiert wäre.
    Ob ich Tiffy für eine geeignete Nachfolgerin halte oder ob mir das dann doch zu gewollt ist... Hm, das werde ich dann wohl sehen, wenn ich das Buch gelesen habe. Denn lesen werde ich es auf jeden Fall. Irgendwann dann mal.

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    1. Das war aber nur ein Mini-Spoiler - Omas Tod findet fast ganz am Anfang statt. ;-)

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Ich freue mich immer über nette und konstruktive Kommentare! Vielen Dank dafür!