Montag, 27. Juli 2015

Paracycling Worldcup in Elzach

Ich hab's ja gestern schon angekündigt, dass dazu noch ein kleiner Bericht kommt.

In Elzach, so ungefähr 10 km von uns entfernt, war von Freitag bis Sonntag Paracycling Worldcup. Paracycling heißt: Radfahren für Menschen mit Handicap.


















Und gestern waren wir also da und haben ein bisschen zugeschaut.
Früher fühlte ich mich beim Thema Behindertensport immer etwas gehemmt, aber spätestens, seit ich meinen eigenen Behindertenausweis habe, denke ich mir, dass das einfach Unsinn ist. Jeder Sportler, der da mitfährt, kann sicher damit leben, dass das Publikum ihn anstarrt.
Man starrt ja nicht-behinderte Sportler auch an.

Und dann hab ich ja auch ganz allgemein vom Radsport keinen blassen Schimmer. Aber in unmittelbarer Nachbarschaft die internationale Elite - da muss man doch hin, oder?

Jedenfalls waren die ersten Athleten, denen wir zugeguckt haben, Dreiradfahrer. Das sind Leute mit beeinträchtigtem Gleichgewichtssinn.


















Ein bisschen verwirrend war, dass da verschiedene Klassen gleichzeitig gefahren sind, und Frauen und Männer auch durcheinander fuhren. Ich wusste also nie so recht, ob zum Beispiel die drei, die gerade vorne waren, in ihrer Gruppen die schnellsten waren oder einfach nur drei Leute in  der Gruppe mit dem niedrigsten Grad der Beeinträchtigung waren.
War aber nicht weiter tragisch, die Stimmung war gut, und was die Jungs und Mädels da leisten, ist beeindruckend.
Ich wollte mit einem Dreirad nicht mit Schmackes durch all die engen Kurven fahren.


















Die Rennstrecke führte mitten durch die Stadt - beste Aussicht für Anwohner.























Und das hier ist der Sieger bei der Zieleinfahrt.
(Oder ein Sieger, wie gesagt hab ich da leider nicht so ganz durchgeblickt.)
Jedenfalls ein amtierender Weltmeister, denn sonst hätte er kein Regenbogentrikot an. Ja, der bunte Streifen soll ein Regenbogen sein, das muss man wissen... ich hätte das zumindest nicht als solchen erkannt. Aber dafür hatte ich ja den Captain dabei, der guckt Tour de France und so Sachen und kennt sich aus.

Der Jubel war auf jeden Fall groß.
Obwohl man sich ein paar mehr Zuschauer schon hätte wünschen mögen.

Wobei ich persönlich es ja auch ganz angenehm fand, dass es nicht so voll war.
Zwischendrin musste ich mir mal eine Bratwurst gönnen, gebrutzelt vom ausrichtenden Radfahrverein Concordia Prechtal.


















Und hier starten jetzt die Rennradfahrer. Das sind Leute mit Amputationen und anderen Beeinträchtigungen.


















Und die fahren mal richtig schnell. Also ich hätte da keine Chance, so jemandem auf den Fersen zu bleiben, auch nicht, wenn man mir ein teures Rennrad geben würde.


















Wie der Spanier hier fährt, ist mir echt ein Rätsel. Auf einer Seite weder Arm noch Bein (und nicht mal Prothesen), und fährt trotzdem ohne umzufallen und legt sich in die Kurven. 
Vor so einer Körperbeherrschung kann man nur Respekt haben.


















Und wenn wir hier schon die hübsche Fassade im Bild haben, werfen wir doch noch einen kurzen Blick auf Elzach.


















Die Kirche war gerade größtenteils eingerüstet.


















Dafür gibt es sonst auch einiges an auffälligen Fassaden zu bewundern - ein Riesengeweih zum Beispiel...


















...oder eine pinkfarbene Kuh mit zusätzlichen Geweihstangen. Der Rest vom Haus ist übrigens genauso pink mit riesigen stilisierten Tannen in hell- und dunkelgrün. Schrill, aber irgendwie doch nett.























Ganz klassisch dagegen die Neun-Linden-Kapelle, die am Berg steht und am schönsten aussieht, wenn man sie vom Tal aus bewundert.

Elzach ist so ein ganz nettes Städtchen. Liegt nur etwas sehr im Tal eingezwängt und war leider bislang noch nicht in der Lage, aus der neuen Umgehungsstraße einen deutlichen Mehrwert in Form einer Fußgängerzone zu ziehen.
Na, kommt vielleicht noch.

Mit dem Internet-Routenplaner komoot hatte ich eine Strecke ausfindig gemacht, die uns überwiegend abseits der alles beherrschenden und stark befahrenen Bundesstraße nach Elzach und zurück geführt hat.


















In Oberwinden an diesem schön restaurierten Schwarzwaldhaus vorbei - wieder ein Beweis, dass "alt" und "renoviert" nicht notwendigerweise geranienschwangerer Bollenhutkitsch sein muss.


















Das wäre gar keine so schlechte Bildaufteilung, wenn der Radler nur in die andere Richtung fahren würde - ich hätte auf dem Rückweg noch ein Bild machen sollen...


Kommentare:

  1. Das ist wahrhaftig beeindruckend.
    Und inspirierend, jawohl!

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  2. Oh, wow, ich Schnecke auf dem Fahrrad bin immer vollkommen beeindruckt, wenn die Radsportler an mir vorbeisausen...
    Und der mit nur einem Arm und nur einem Bein- Respekt!
    Bei irgendeinem Radrennen war ich mal ganz nah dabei (weil es quasi direkt an der Haustür meiner Oma vorbeigefahren sind). Ganz schöner Fahrtwind, den die generieren!, hat mich ziemlich überrascht!
    Und, jetzt bin ich etwas neugierig, wo Du es erwähnst, "wofür" hast Du Deinen Behindertenausweis? (wenn das nicht zu persönlich ist). Sowas steht bei uns auch grade an, und ich bin immer ganz "froh" wenn ich andere "kenne" die auch einen haben. Mann, das waren aber viele Anführungszeichen ;-)

    Liebe Grüße
    Katha

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    1. Ich bin chronisch depressiv (und gerade in Versuchung, ein lachendes Smiley hinter dies Feststellung zu tippen...)

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    2. Ah, okay, danke! Da hast Du aber auch ein Päckchen zu tragen mit!
      Bei uns steht grade ein Schwerbehindertenausweis für Autismus an, mein großer Sohn. Und wenn ich mich endlich mal aufraffen kann, die Diagnose für mich auch machen zu lassen, dann würde ich auch einen bekommen... Von daher freue ich mich, andere "Clubmitglieder" zu kennen... ;-)

      (Und ein lachender Smiley macht vielleicht gute Laune? :D alles was hilft...)

      Liebe Grüße
      Katha

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    3. ... die beste Krankheit taugt nix!
      Andererseits gehört jede ich sag mal Diagnose ja auch einfach irgendwie zu uns als kompletten Menschen. Und wenn einen was gegenüber den "Gesunden" beeinträchtigt, dann darf man die minimalen Vorteile, die man von einer anerkannten Schwerbehinderung hat, ja auch nutzen. Ich hab z.B. eine um eine Stunde kürzere Arbeitszeit in der Woche und komme ab und zu billiger in den Zoo oder ins Schwimmbad! :D

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    4. Genau so!

      Und wegen der Vorteile: Wir standen neulich vor nem Freizeitpark und dachten- Mist, hätten wir doch nur unsere Behindertenausweise schon ^^

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  3. Beeindruckende Bilder hast du da zusammengestellt!
    Allein mit einer Gleichgewichtsbeeinträchtigung Rad zu fahren (auch wenn es eins mit drei Rädern ist), ist ja schon krass, aber mit nur einem Bein und einem Arm? Wow.
    Und ich bin schon stolz auf mich, wenn ich langsam zur Arbeit schleiche mit meinen zwei Rädern und zwei Beinen... ^^

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    1. Na ja, man soll ja nicht vergleichen, was Menschen können und leisten, weil halt jeder anders ist.
      Aber so ein bisschen bewundern kann man so was schon, das find ich auch. :)

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