Dienstag, 2. Juni 2015

Lesefutter: Der Rest vom Mai

So, jetzt vespere ich noch zwei Krimis ab, die ich auch noch im Mai gelesen habe. Dann kann der Juni kommen.


















Francisco González Ledesma: Gott wartet an der nächsten Ecke

Der Inhalt: Inspektor Méndez von der Polizei in Barcelona findet die Leiche eines halbwüchsigen Mädchens. Da der Inspektor trotz fortgeschrittenen Alters nur ein ganz kleines Licht im Polizeiapparat ist, wird er natürlich nicht mit der Ermittlung des Mordfalles beauftragt. Méndez fühlt sich aber verantwortlich und ermittelt auf eigene Faust weiter. Er stößt auf ein Netz aus Verbindungen, Abhängigkeiten und Intrigen.

Das Buch wurde 1986 geschrieben und spielt auch in den 80er Jahren. Den Kriminalfall als solchen fand ich ein bisschen verworren bis unwahrscheinlich, aber wichtiger als die eigentliche Handlung kam mir die Hauptperson vor. Méndez ist eine überzeugende Figur. Weiß Gott kein Vorbild für die Jugend, politisch völlig inkorrekt und in keiner Hinsicht erfolgreich. Das macht ihn ja schon mal sympathisch. Außerdem ist er peinlich darauf bedacht, möglichst nie seine Heimat- und Lieblingsviertel in Barcelona zu verlassen, und fürchtet sich vor frischer Luft und alkoholfreien Getränken. Sonst trauert er der guten alten Zeit, seinen Lieblingsbordellen, seiner Potenz und der Franco-Diktatur hinterher – weil damals die spanische Polizei noch ungestrafter prügeln durfte und Mörder von kunstfertigen Henkern, die viel Zeit hatten, hingerichtet wurden. Zumindest erzählt er das den Tätern. Seine Ausdrucksweise ist fast durchgehend unter aller Sau, was manchmal lustig ist, manchmal aber auch ein bisschen nervt. Davon abgesehen hat er ein gutes Herz und bringt sich selber in größte Gefahr, um ein behindertes kleines Mädchen zu retten.
Auf mich wirkte das alles sehr südlich-gefühlvoll und hier und da ein bisschen arg dick aufgetragen. Der Schreibstil wechselt munter zwischen „deftigem Krimi“ und „tragischer Poesie“ hin und her.

Schönes Detail am Rande: Ein Auftragskiller heißt Fernando Torres. Ich bin fußballverseucht genug, um das lustig zu finden.























Johan Theorin: So bitterkalt

Die Handlung: Jan bewirbt sich als Erzieher auf eine Vertretungsstelle in einer ganz speziellen Vorschule: Die „Lichtung“ gehört zu einer psychiatrischen Klinik, in der neben anderen Patienten auch psychisch kranke Straftäter untergebracht sind. Ihnen soll regelmäßiger Kontakt zu ihren Kindern ermöglicht werden. Jan versucht heimlich Kontakt zu seiner Jugendliebe Alice aufzunehmen, die er in der geschlossenen Abteilung der Klinik vermutet. Und er hat etwas zu verbergen – vor Jahren hat er einen kleinen Jungen in den Wald gelockt und in einen Bunker gesperrt.

Daraus könnte eine richtig tolle Geschichte werden, aber irgendwie ist das nicht so ganz gelungen.
Es wird fast durchgehend aus Jans Sicht erzählt, mit Rückblenden auf seine Zeit als Teenager und als zwanzigjähriger Berufsanfänger. So kann man natürlich recht leicht Spannung aufbauen, aber leider sind die verschiedenen Handlungsstränge viel zu unwahrscheinlich, als dass man sie dem Autor abkaufen würde.
Ein kleiner Junge ist im Wald verloren gegangen – da kommt zwar die Polizei, aber leider ohne Suchhund. Jan denkt, seine alte Freundin sei die Mutter eines Vorschulkindes – kommt aber nie auf den Gedanken, das Kind auch nur einmal nach dieser Mutter zu fragen. Und so weiter. Um richtig gut zu sein also leider viel zu wenig durchdacht.

Was übrigens der deutsche Titel mit der Handlung zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht mal ansatzweise. Wahrscheinlich klang das einfach gut.

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