Donnerstag, 22. Januar 2015

Rezension: Bali – Götter, Geister und Dämonen von Thomas Moog

Heute gibt es wieder was über ein Buch von Blogg dein Buch.

Der MackingerVerlag hat mir „Bali – Götter, Geister und Dämonen“ von Thomas Moog kostenlos zur Verfügung gestellt.
(Übrigens mit persönlichem Anschreiben, was ich sehr charmant fand. Sonst lag da immer nur ein Lieferschein bei.)























Vielen Dank dafür!

Als ich mich um das Buch beworben habe, hatte ich mir eigentlich so eine Art Bildband mit Erläuterungen vorgestellt. Großformatige Fotos von Statuen oder anderen Kunstwerken und dazu Informationen, wer oder was da zu sehen ist.

Tatsächlich ist es eher anders herum – das Buch liefert Informationen en masse und dazu zwar sehr viele, aber leider nur kleine bis winzige Bilder.

Um es gleich voraus zu sagen: Ich habe zu Bali keinerlei Bezug. Ich weiß, dass es die Insel gibt und dass sie dort ein tropisches Klima und ziemlich viele Tempel haben... Was mich dagegen fasziniert, ist das javanesische Schattenspiel. Das hab ich mal gesehen, als ich ungefähr 12 war und jemand bei uns an der Schule so was aufgeführt hat. Die Stabfiguren mit den spitzen Gesichtern und den überlangen Armen an den ausgestellten Schultern sind ja auf den ersten Blick eher unheimlich als schön, aber sie sind eben völlig einzigartig und unwahrscheinlich aufwändig gestaltet. Allerdings hat es mich damals etwas gewurmt, dass ich nicht mal ansatzweise verstanden habe, was da aufgeführt wurde.

Um solche und ähnliche Bildungslücken zu schließen, eignet sich das vorliegende Buch hervorragend. Die Mythen sind dort ja ungefähr die gleichen. Also so für Otto Normalverbraucher jetzt.

Auf Bali ist die vorherrschende Religion eine spezielle Form des Hinduismus. Der balinesische Hinduismus ist monotheistisch, d.h. die Gläubigen verehren einen einzigen, allmächtigen Gott, der sich aber in vielen verschiedenen Inkarnationen zeigt. Diese Inkarnationen sind männlich oder weiblich oder beides, gut oder böse oder beides… sehr vielseitig, kurz gesagt. Das Glaubenssystem fußt auf eine bestimmte Art, sich den Kosmos vorzustellen, was der Autor ziemlich genau und mit Schaubildern untermauert darstellt, bevor er sich den vielen Göttern, Göttinnen, Geistern, Helden und Dämonen im Einzelnen widmet. Das macht die Materie an sich allerdings nicht einfacher. Die Götterwelt Balis kommt mir ungefähr so vor, als würde man das Alte Testament, die griechischen Götter- und Heldensagen und Grimms Märchen alle zusammenfassen, wobei die Protagonisten immer irgendwie miteinander verwandt sind und letzten Endes Inkarnationen von anderen Göttern sind. Ich meine das nicht im Geringsten abfällig, nur scheint mir dagegen die christliche Dreieinigkeit ein recht simples Prinzip zu sein.

Wenn man das Buch gelesen hat, kennt man sich also keineswegs perfekt mit den Hindu-Gottheiten aus. Man hat aber doch eine gewissen Überblick erhalten, wie sich diese Glaubenswelt aufbaut und was alles dazu gehört.
Und wenn man jetzt wissen will, wer denn noch mal genau Saraswathi ist, kann man ja nachschlagen. Außerdem erhält der Leser auch eine Vorstellung von der künstlerischen Darstellung sakraler Elemente auf Bali. Im Vergleich zu „meinen“ Stabpuppen von Java sind die Figuren runder, bunter und gefälliger. Und im Vergleich zu indischen Darstellungen deutlich bekleideter und (für unser europäisch-prüdes Auge) jugendfreier.

Nach der Vorstellungen der Götter und Dämonen kommt dann etwas überraschend der zweite Teil – eine Vorstellung des Wassergartens Tirtatangga, eine offenbar sehr schöne sakrale Gartenanlage mit Tempeln und Steinfiguren.

Fazit:
Zusammenfassend würde ich sagen, dass das Buch eine lohnende Anschaffung für Leute ist, die sich näher mit der Götterwelt Balis beschäftigen möchten, z.B. aus Interesse an der Kunst oder weil eine Reise nach Bali geplant ist.

Der Autor schreibt sorgfältig und kurzweilig, so dass das Buch lockerer zu lesen ist, als ich zuerst befürchtet hatte. Etwas Konzentration braucht man zum Lesen natürlich schon, aber das liegt in der Natur der Sache.
Ein sehr schönes Detail fand ich, dass außer Abbildungen von Statuen an Tempeln z.B. auch Firmen-Logos oder Streichholzschachteln gezeigt werden, die Gottheiten als Motiv haben.

Einziges Manko meiner Meinung nach ist das Fehlen von wenigstens ein paar größeren Fotografien. Fürs Auge und damit man die vielen Details an den Figuren auch mal würdigen kann. Der Autor ist kein Fotograf, aber die vorhandenen Aufnahmen scheinen mir durchaus geeignet.
Oder man hätte zusätzlich noch einen Fotografen mit ins Boot holen können. Natürlich auch eine Budgetfrage, aber auf Bali machen doch bestimmt jedes Jahr Hunderte Hobbyfotografen Urlaub.
Vielleicht insgesamt ein paar Bilder weniger, aber dafür so 10 oder 12 ganzseitig, und das Buch wäre ein richtiger Knaller.

Auf der Internet-Seite des Verlags habe ich übrigens gesehen, dass es vom gleichen Autor auch noch ein Buch über das javanische Schattenspiel gibt.
Das wäre natürlich was für mich...

Kommentare:

  1. Erstmal sehr spannend, das es bei Blogg dein Buch doch so viel Auswahl gibt! So ein Exemplar hätte ich hier bei dir im Blog auch nicht erwartet, muss aber zugeben, dass es sehr spannend klingt! (Vor allem weil ich auch gar keine Ahnung von Bali habe ^^)
    Schade, das so wenig große Bilder enthalten sind. Das würde mich vermutlich auch ein bisschen stören.

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  2. Du hast das Buch sicher sehr gut beschrieben. Da ich nicht wirklich zu den Lese- Ratten gehören und für Götter in jeder Hinsicht herzlich wenig übrig habe, werde ich es mir nicht zulegen.
    Ich sehe gerne Reiseberichte oder Dokumentarfilme aus jeder Ecke der Welt, weil mich Natur sehr interessiert.Götter und Glaube finden bei mir keinen Parkplatz.
    Grüßchen
    Edith

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