Montag, 1. Dezember 2014

Der unerforschliche Radschluss

Nein, nein, das Waldrad ist noch lange nicht fertig. Nur die Räder vom Rad.
Aber der Reihe nach.

Geputzt und grob entrostet waren die Felgen ja schon. Letzte Woche hatte ich den Rostumwandler aufgetragen, und siehe da: Das Zeug funktioniert tatsächlich.


















Natürlich wird auch damit aus dem Rost nicht einfach wieder Stahl, aber eine geheimnisvolle schwärzliche Metallverbindung, die nicht mehr porös ist. Und obendrüber bleibt eine Schicht als Rostschutz. Perfekt.


















Wenn ich den Roststaub, der beim Bürsten übrig geblieben war, noch sauber abgewaschen hätte, wäre diese Schutzschicht durchscheinend gewesen. Mit Roststaub wurde sie leider schwarz und kroch hier und da auf die Außenseite der Felge.
Sie kroch, weil meine Felgen unerklärlicherweise in den Hohlraum gestanzte Löcher haben. Da lief der Umwandler rein, was gut war, aber halt auch hier und da wieder raus, was weniger gut war.
Die Flecken ließen sich aber mit sanfter Gewalt wieder abreiben. 

Damit waren die Räder also bereit für die Bereifung. Zuerst muss da Felgenband rein, damit sich die Schläuche nicht den Nieträndern der Speichen kaputt stupfen.


















Mein Felgenband kam zwar mit vorgestanzten Löchern, die aber leider nur Lochergröße hatten  - viel zu klein für jedes mir bekannte Ventil. Das hätte zwar trotzdem Absicht sein können, aber die Ventile gingen da auch mit Gewalt nicht durch. Also hab ich die Löcher mit der Nagelschere größer geschnitten.


















Das Aufkleben ging recht fix und wäre noch einfacher gewesen, wenn ich mich getraut hätte, tatsächlich 10-mm-Band zu benutzen. 13 mm gingen aber auch.

Dann mussten nur noch Schlauch und Reifen drauf.
"Nur noch", haha.

Mädels, an dieser Stelle ein ernster Hinweis.
Wenn euch irgendein Mann erzählt, dass Fahrradreifenwechseln eigentlich ganz einfach ist, dann glaubt ihm kein Wort und bedenkt: Er ist ein Wesen von roher körperlicher Kraft und nicht im geringsten an seinen Fingernägeln interessiert.

(Und wenn ich hier von Fingernägeln rede, meine ich keine langgezüchteten oder künstlich verlängerten Boutiquen-Verkäuferinnen-Krallen, sondern ganz normale Nägel, die maximal einen Millimeter über das Rosane rausgewachsen sind.)

Die alten Reifen abzukriegen ging ja noch so einigermaßen. Mit Rumreißen und Fluchen, aber es ging.

Aber neue Reifen aufzuziehen ist total schwer! Erstmal muss man den Reifen gleichzeitig über die Felgen und über den Schlauch kriegen. Das ist jetzt intellektuell nicht gerade anspruchsvoll, aber gleichzeitig fummelig und tierisch anstrengend.
Und dann muss der Reifen ja auch noch auf beiden Seiten in die Felge rein. Das geht eigentlich gar nicht.
Irgendwann seid ihr so wütend, dass euch völlig egal ist, ob ihr gerade den Schlauch zerstört, die Felge verbiegt oder euch den letzten Nagel abbrecht. In dem Moment kommt das erlösende Wupp! und das verdammte Ding sitzt, wo es hin soll.

Und dann - - - kommt das zweite Rad.

Das wird nicht einfacher, nur weil man es schon mal gemacht hat.


Aber die Weißwandreifen sehen wirklich schick aus.
Das ist jetzt nicht so überraschend, weil ja vorher genau die gleichen Reifen drauf waren, nur eben alt, kaputt und dreckig. Trotzdem gut.


















Zum krönenden Abschluss hab ich dann noch aufgepumpt (da scheint viel weniger Schmackes reinzugehören als in die Reifen von meinem Trekkingrad) und die Pilzkappen aufgeschraubt.

Puh. Gut, dass ich das hinter mir hab!

Kommentare:

  1. Hihi, lustigerweise habe ich am Wochenende genau das gleiche gemacht - also bis auf das Putzen der Felgen. Ich glaube sogar, dass ich den gleichen Hersteller vom Felgenband erwischt habe.

    Mein Felgenband war wohl ein bisschen überlagert und klebte nicht mehr so richtig in der Felge. Nachdem das dann doch drauf war, habe ich die erste Seite vom Mantel aufgedrückt, was ja ohne Schlauch noch ganz gut ging. Dann das Ventil durch die Öffnung und ein bisschen Luft drauf (für die Form). Schlauch im Mantel über die Felge drücken und zum Schluss (brüllend und fluchend - zumindest beim zweiten Rad) mit roher körperlicher Kraft den zweiten mantelrand über die Felgenflanke. Anschließend mit geringem Luftdruck den Reifen von jeder Seite sanft auf den Boden dötzen und zum Schluss aufpumpen. Die Laufräder sind jetzt fertig - der Rest muss warten...

    LG, Captain


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    1. ...oh, und die Pilzkappen sehen ab Rad wirklich niedlich aus...

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    2. Hm, ich hab erst den Schlauch dran gemacht (mit einem Schluck Luft) und dann den Reifen drüber gewürgt... wenn ich noch mal in die Verlegenheit kommen sollte, kann ich ja mal deine Reihenfolge ausprobieren. Aber irgendwas sagt mir, dass das auch nicht wesentlich leichter wird. ;-)

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    3. Du könntest beim nächsten Mal vielleicht noch einen Reifenheber zur Hilfe nehmen. In der Fahrradwerkstatt hat man uns erklärt, dass man damit nicht nur den Schlauch abkriegt, sondern dass sie auch zum Draufmachen nehmen kann.

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    4. Die hab ich benutzt! Ohne Reifenheber hätte ich das NIE geschafft.

      Und Spüli zum "besser flutschen" hatte ich auch, kann das aber nicht so ganz empfehlen. Das flutscht ja dann in alle Richtungen. Ohne ging's relativ besser.

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  2. Echt? Oh, ok. Dann hoffe ich mal, dass ich nie in die Verlegenheit komme, alleine einen Reifen wechseln zu müssen. o_O (Ich hab damals nur zugeguckt beim Reifen wechseln und hab es nicht selbst ausprobiert.)

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    1. Zugeguckt hatte ich auch schon - sah nicht so wild aus. :D
      Allerdings hat mir heute jemand erzählt, dass Rennradreifen (und solche sind meine ja, wenn auch eher Sportrad) schwerer gingen als welche von Mountainbikes oder Trekkingrädern.
      Trotzdem, wenn es sich einrichten lässt, soll das für mich in Zukunft bitte der Radladen machen. Und für unterwegs gibt's ja Pannenspray. ;-)

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  3. Das Elend des Reifenwechsels... wenn man das öfter macht, bekommt man zwar eine gewisse Routine, aber wer macht das schön öfter. Ich kann nur Gelassenheit und eine meditative Grundstimmung empfehlen, bevor man sich ans Werk begibt ;-)
    Kommt mal wieder eine Buchbesprechung? Mich würde z.B. interessieren, wie Du den Törleß fandest.

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    1. ... ja, oder Alkohol. ;-)

      Was, echt? Du liest das? Ich hab immer den Eindruck, meine Buchbesprechungen interessieren niemanden... ich hab aber noch was Halbfertiges auf Halde liegen. Sollte also kein Problem sein. =)

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    2. Latürnich lese ich das! Werde auch dieses Jahr zu Weihnachten Gunnarsson verschenken, nachdem ich ihn in Deiner Leseliste entdeckt und dann selber gelesen habe :o)

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    3. Oh, das ist ja toll - und das noch *vor* meiner Jubelarie. ;-)

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  4. Liebe Centi,
    Du machst das gerne, oder? Geduld und Sachverstand bfraucht man da ja schon.Mein Fahrrad wird gaanz neidisch.
    Liebe Grüße Deine Sarah (ich habe mich so über Deine Zeilen gefreut!)

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    1. Klar, wenn das keinen Spaß machen würde, täte ich's nicht.
      Geduld sollte man tatsächlich haben - Sachverstand gibt's im Internet. ;-)

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